Pro und Kontra baumlose Sättel
geschrieben im März 2014
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Ich möchte hier und jetzt einmal das Thema baumlose Sättel aufgreifen.

Ich war jahrelang begeisterter Besitzer eines Barefoot® Cherokee (alte Version ohne VPS - ein System das zum erweiterten Schutz der Wirbelsäule beitragen soll). Barefoot® ist eingetragenes Markenzeichen von: "Barefoot Saddles USA and/or Action Rider Tack, Inc."

Die ersten 4 Jahre war ich nur begeistert. Der Sattel war bequem, ganz nah im Pferd, ein Reitgefühl wie ohne Sattel aber mit der Sicherheit eines Sattels. Ich war viel unterwegs, vielleicht 2-2500km im Jahr was etwa 4-500 Stunden entspricht. Hatte aber höchstens eine längere Mehrtagestour im Jahr geritten. Dann im 5.Jahr hatte ich wesentlich mehr Zeit und plante monatlich mindestens einen längeren Ritt, zum Teil mit Gepäck.

Nun traten die ersten Probleme verstärkt auf. Abrieb der Haare an Widerrist und unter den Spitzen der vorderen Fork (bei Barefoot® Vorderzwiesel genannt). Auftreten von Atrophie ähnlichen Muskelrückbildungen hinter dem Schulterblatt die ich zunächst nicht bemerkte da mein Pony schon immer ein sehr ausgeprägtes Schulterblatt hatte und mehr oder weniger fettfrei ist und ein baumloser Sattel ja nicht drücken kann - dachte ich.

Athropie alte Satteldecke
oben sieht man die weißen Stellen die auf Druck hindeuten und die Kuhlen hinter dem Schulterblatt, hier durch die Kopfhaltung verstärkt. Ein Pferd kann das Reitergewicht mit einer solchen Kopfhaltung natürlich nicht tragen da der Rückenmuskel so nicht angespannt ist!

alte Satteldecke mit Einschub für Moosgummieinlagen

Barefoot Sattel ohne VPS-System
kompletter Sattel ohne VPS-System  

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Ich fing an herum zu experimentieren und nähte mir zunächst einen Woilach aus Schurwollwalk den ich an der Satteldecke vorne befestigte. Eigentlich kein Woilach im ursprünglichen Sinn (WIKIPEDIA: Ein Woilach ist eine Decke aus Wolle die einmal halbiert und einmal gedrittelt wird, so dass sich insgesamt sechs übereinanderliegende, gleich große Bereiche der Decke ergeben. Beim Falten und Satteln muss auf Faltenfreiheit geachtet werden, da sonst Druckstellen am Pferd entstehen können. Es ist darauf zu achten, dass die „geschlossene“ Seite, d. h. ohne Kanten, nach vorne zu liegen kommt.) Ich nähte eine einfache Schurwollwalkdecke in der anatomischen Form des Pferderückens. Schurwollwalk ist gestrickt und verfilzt, ein 5-7mm dickes Polster das sich durch Feuchtigkeit und Wärme exakt verformen und an die Umgebung anpassen kann. Dieser hatte schon früher bei einem normalen Dressursattel im Bereich des Übergangs Satteldecke Pferd ein Abscheuern durch den Druck des Bauchgurtes verhindert und er milderte den Abrieb etwas aber unter den Steigbügelriemen traten bald Druckstellen auf und es bildeten sich weiße Härchen durch absterbende Haarwurzeln. Also schaute ich mich nach einem neuen Sattel um.

 

Es sollte wieder ein baumloser sein da ich vom System immer noch überzeugt war. Ich fand heraus, dass ich seinerzeit die alte Version gekauft hatte obwohl auf der Barefoot®-Website damals schon mit der neuen mit VPS-System geworben wurde. Restbestände des Händlers! Ich ließ mich bei Barefoot® beraten. (Der komplette Beratungs-Schriftverkehr hier als pdf) Diese Beratung fand nur per email und telefonisch statt da es nicht möglich ist am Firmensitz des deutschen Vertriebs mit Pferd aufzutauchen. Ich schickte obige Bilder hin und erhielt die folgenden Empfehlungen. Man empfahl mir zunächst eine andere Wanderreitschabracke. Die alte bestand aus einer Satteldecke mit Einschub für Schaumstoffeinlagen (zur Freihaltung des Wirbelkanals) und auf der Unterseite des Einschubs Lammfell. Das Problem mit dem Lammfell ist: Es verfilzt bei Gebrauch und wird dadurch hart und rau wie ein Reibeisen. "Ja das muss man immer nach Gebrauch bürsten" war das Statement von Barefoot®! (Na da soll mal einer nach einem 6-8 Stunden Reittag auch noch eine halbe Stunde das Lammfell bürsten und die Kardätsche muss dann auch ins Gepäck...) Der Schurwollwoilach darunter löste das Problem zwar, war aber etwas unhandlich beim Satteln und faltenlos auflegen da der weiche biegsame Sattel und die Schabracke und der Woilach zusammen in Form gehalten werden müssen während man den Sattel über das Pferd hebt.

 

Die neue spezielle Wanderreitschabracke war eine normale Schabracke an die von unten ein Pad mit zwei Flügeln aufgeklettet werden konnte. Dieses Pad hatte wiederum einen Einschub sowie Lammfell an der Unterseite. Man kann die Wanderreitschabracke auch noch nach hinten verlängern was sehr praktisch ist.





alle 5 Fotos dieses Kastens
Quelle und copyright "Barefoot®"
www.Barefoot-saddle.de
Des weiteren empfahl man mir eine "Heavy-Duty"- Einlage für schwere Reiter, die aus einer in Schaumstoff eingelassenen Plastikplatte bestand. Ich wiege zwar nur 60kg aber durch mein exzessives Reiten sei das besser. "Das würde den Druck noch besser verteilen" Hört sich ja logisch an.

Das Ganze war dann etwa 5-6 cm dick.
Als Allerletztes: gegen die Atrophie (WIKIPEDIA: Gewebsschwund) empfahl man mir einen Soft-Einsatz für den Vorderzwiesel, bestehend aus einem, mit Watte gefüllten Kissen ("weich wie ein Stofftier"). "Da könne dann nichts mehr drücken und Muskelrückbildungen hervorrufen" (Atrophie entsteht wenn ein Muskel ständigem schmerzhaften Druck ausgesetzt ist. Das Pferd versucht dann diesen Muskel eingeschränkt oder nicht mehr zu bewegen was eine Rückbildung auslöst)

Mein Einwand, dass das doch unmöglich einen Freiraum über dem Widerrist schaffen könne beantwortete man mit: "das sei nicht nötig, der Sattel sitze wie ein Pullover über dem Pferd und könne nirgends drücken".

normale Einsätze aus Metall/Polyesterharz die es in 4 Größen gibt

  

 

Nun gut, ich bin ja immer aufgeschlossen Neuem gegenüber und kaufte die ganze Geschichte. Sattel ca. 509 Euro (mit 15% Rabatt da aus einer Rücksendung des Shops), Schabracke 229 Euro, Einlagen 50 Euro, Soft-Einsatz 20 Euro. Der neue Sattel war jetzt mit einer Masse von Polsterungen versehen, dass man von "im Pferd sitzen" eigentlich nichts mehr bemerkte. Dadurch, dass alles neu war ließ er sich schlecht gurten ohne mit Gewalt zuzuziehen. Es war extrem schwierig so zu satteln, dass alles zusammen symmetrisch und an der richtigen Stelle auf dem Pferd lag. Zu weit vorne, seitlich verrutscht, die 3 unabhängigen Schichten gegeneinander verrutscht - eine unbefriedigende Geschichte, die sich auch schlecht verhindern ließ da es beim Satteln schwer einsehbar war und das Verrutschen auch noch nach dem Satteln, beim Reiten auftrat.

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neuer Barefoot Sattel mit VPS
normale Schabracke mit dem Soft-Einsatz: Auch hier eine Fülle an Material über dem Widerrist von hinten sieht alles gut aus
Verrutschen der verschiedenen Polsterschichten
so sollte ein Pferd nicht gesattelt sein - aber es passierte trotz größter Sorgfalt beim Aufsatteln immer wieder,
dass es nach einiger Reitzeit so aussah.

Heute ist mir klar, dass das "Wanderreit-Physiopad", da es durch die dicken festen Einlagen nicht um den Widerrist passte, verrutschen musste, mal nach links, mal nach rechts, der Sattel wiederum hatte keinen wirklichen Halt und verrutschte durch die Packtaschen oder andere Einwirkungen. Jedenfalls hatte ich dauernd das Gefühl schief auf dem Pferd zu sitzen - was man hier ja deutlich sehen kann.

der neue Barefoot®-Sattel mit VPS und normaler Schabracke - eigentlich viel zu viel Material für das kleine Pferd und er geht viel zu weit nach hinten, fast bis auf die Kruppe, obwohl es die kurze Version ist

 

 Und was dann folgte war schon fast amüsant: 

 

Der erste Ausritt mit dem neuen Sattel und ich hatte meinen Hut vergessen!

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Beim Galopp, ich war am Fotografieren, der Sattel rutscht leicht in einer Rechtskurve nach links, ich versuche rechts auszugleichen aber gehe dann doch zu Boden. Mein Pony war so cool, zum Stillstand zu kommen als ich den Boden mit den Füßen berührte!

 

Gut, das habe ich dann einigermaßen in den Griff bekommen, aber es war noch schwieriger zu satteln als mit dem alten weil der neue wesentlich größer, weicher und dicker, einfach unhandlicher war. Aber es kam noch schlimmer:  Der Sattel setzte sich, auch über dem Widerrist, wurde immer breiter und flacher. Nach ein paar Wochen war der Widerrist obenauf und an den Seiten völlig kahl gescheuert. Ich wechselte den Softeinsatz der vorderen Fork wieder aus gegen die feste Version und der Sattel lag wieder höher über dem Widerrist. Aber durch die dicke Polsterung berührte natürlich ständig zu viel Material das Fell. Dann kam der Tag als der Widerrist an der Seite leicht blutig war und druckempfindlich. Ich schaute mir die ganze Geschichte in Ruhe an und bemerkte, dass der "Kanal" der durch die Satteldeckeneinlagen entstehen sollte am Widerrist dazu führte dass es zu eng wurde und der Widerrist durch die festen Kunststoffplatten in den Polstereinlagen gequetscht wurde. In der, durch den Vorderzwiesel entstehenden Kammer war einfach nicht genug Platz für die dicken Einlagen und den Widerrist. Das Extrapad der Schabracke war klettbar und konnte nach hinten verschoben werden aber keine 10-12cm (die ganze Widerristlänge), dann hätte es hinten rausgeragt und der Druckschutz vorne unter dem Vorderzwiesel wäre nicht mehr vorhanden gewesen. Ich habe dann ein Dreieck vom vorderen Rand in der Größe des Widerristes in die Polstereinlage hineingeschnitten und siehe da - alles war gut. Jetzt konnte man einen deutlichen Hohlraum um den Widerrist sehen und ertasten. Dieses Wanderreitpad ist einfach ein völlige Fehlkonstruktion. Für runde Pferde ohne erkennbaren Widerrist vielleicht erträglich aber bei meinem Araberchen mit einem sehr hohen ausgeprägten Widerrist völlig untauglich. Was für eine Beratung von dem, ich zitiere von der Website: "Physiotherapeutenteam"

 


Quelle: Barefoot®-Website 13.03.2014

 

Alles schien ok, alle waren glücklich bis zu dem Tag als dann unter den Steigbügelriemen wieder deutlich weiße Haare zum Vorschein kamen (Die letzten waren nach dem Fellwechsel verschwunden). Diese waren diesmal weiter unten, da wo die dicke Polsterung aufhört und weiter vorne wo der Rand der festen Einlagen am Pferd liegt und es war klar - dort war der Druck durch das Reitergewicht über die Steigbügelriemen und die Vorderfork am größten. Danach hatte ich endgültig die Nase voll von baumlosen Sätteln und habe mir einen Maßsattel mit flexiblen Baum von der Sattlerei Sommer anfertigen lassen.

  

kurze Sattellänge und hohe Widerristfreiheit mit deutlichem 4-Finger-breiten Abstand


http://www.sattelmacher.com

 

Jetzt drei Monate danach sind die "Atrophie Kuhlen" schon deutlich flacher geworden. Das Fell hat sich erholt. Das Satteln geht einfach vonstatten da der auf Maß gefertigte Sattel an der richtigen Stelle spürbar "einrastet". Diese ganze Polsterschichten-Sortiererei fällt weg. Man nimmt den Sattel mit Schabracke und Woilach darunter (den habe ich aus Gründen der besseren Waschbarkeit beibehalten - hält die Schabracke frei von Schweiß, Dreck und Haaren und lässt sich leicht waschen) und legt ihn aufs Pferd. Die Schabracke lässt sich exakt am Sattel fixieren da die Sattelunterseite fest und formstabil ist. Er ist leichter als der, angeblich leichte Barefoot®, keine Berührung des Sattels mit dem Widerrist, sogar die Satteldecken kann man leicht nach oben ziehen und am Sattel befestigen, dadurch halten sie auch oben, er belastet ausnahmslos die Rippenregion und hat eine sehr große Auflagefläche. Er ist leicht flexibel und verwindet sich beim Biegen des Pferdes, so dass dort kein Druck entstehen kann. Er ist von unten völlig plan und es gibt keine Kanten an denen sich eine Druckerhöhung ergeben könnte.

 

Man muss natürlich den Sommer abwarten mit den längeren Ritten und dem dünneren Fell. Ich hoffe nur die weißen Haare werden wieder mit dem Fellwechsel verschwinden, andernfalls habe ich ein dauerhaftes Andenken an ein vielversprechendes Sattelsystem was leider den Anforderungen meiner Reitpraxis nicht gewachsen war ...

Ich werde später an dieser Stelle weiter berichten.

geschrieben 13. März 2014

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15.03.2014:

Wegen der vielen Statements in den diversen Portalen in denen ich diesen Beitrag gepostet habe muss ich jetzt noch mal etwas dazu sagen. Zu den Fotos vom Rücken: So schlimm wie es auf dem Foto aussieht war es natürlich nicht. Ich hatte extra nach dem Reiten den Satteleindruck bzw. den Eindruck der Schabracke nicht weggebürstet damit man sieht wie klein die tatsächliche Auflagefläche eigentlich ist. Es war Februar und mein Pony neigt zu sehr dichtem und relativ langem Winterfell das an den Berührungsstellen der Lammfellunterseite der Schabracken nass und plattgedrückt wurde. Daher rührt der Eindruck - nicht von Muskelrückbildung am Längsmuskel. Die Kopf- und Beinhaltung unterstützt außerdem die "Kuhlenbildung" um die Atrophie deutlicher zu machen. (Zur Athrophie: Ich hatte vorher alle möglichen Spezialisten um ihre Meinung gefragt und die waren sich NICHT einig. Bei stark araberlastigen Pferden die auch noch so extrem "mager" sind, kann man das nicht mit Sicherheit sagen. Das Schulterblatt sticht bei ihm sehr hervor er hat keinerlei Fettpolsterung, die bei den meisten Pferden einiges überdeckt. Und wie gesagt - der Prozess war ja stark schleichend. Diese Kuhlen hatte er schon mit 6-8 Jahren als er noch klassische Turniere (bis L) ging. Im Rücken hatte er überhaupt keine Probleme, ist biegsam durchlässig, locker und völlig schmerzfrei - ein Pferd das seinen Reiter 500km in 14 Tagen trägt (und das jeden Monat einmal) und danach noch fit ist und freudig in jeden Tag hinein läuft, das aus dem Stand locker angaloppiert und sich, obwohl es so schmal wie ein Handtuch ist, drei mal beim Wälzen "überschlägt", hat keine Rückenprobleme.)

 

Zum heutigen Zeitpunkt weiß ich natürlich, dass es durchaus Atrophie war, denn jetzt, nach 5 Monaten mit einem anderen Sattel zeigt sich, dass die Kuhlen deutlich flacher geworden sind. Aber auch der zweite Barefoot-Sattel hatte über 6 Monate dazu beigetragen weil die Polsterung unter den Problemstellen erheblich besser war, das muss man auch klar sehen, nur hatte der eben wieder andere Phänomene und Probleme zur Folge.

 

Ich kritisiere vor Allem die Beratung bei Barefoot® und deren Aussage "viele Distanzreiter würden ohne Probleme auf dieses System setzen" und halte dem meine Erfahrungen dagegen. Und das Problem der hohen Belastung des Vorderzwiesels und damit die Tendenz zur Atrophiebildung trotz "baumlos - da kann ja nichts drücken!" - kann es eben doch. Und, dass das Problem des "Haare Abscheuerns" letztlich dazu führen kann, dass das Pferd wund wird - und das kann man bei keinem "baumlosen" vermeiden. All diese Faktoren werden mehr oder weniger totgeschwiegen und waren auch mir lange nicht bewusst. Und deshalb wollte ich das hier deutlich machen.

Ich wurde mehrmals darauf hingewiesen, dass man baumlos nicht mit baumlos gleichsetzen sollte. Das habe ich auch nicht vor da ich die anderen Systeme zwar kenne aber nicht getestet habe, jedoch bin ich mittlerweile der Meinung, dass kein baumloser Sattel den Belastungen eines permanenten "Wander"-Reitens gewachsen ist, auch wenn er keine Druckspitzen durchlassen würde. Wandereitpferde kann man auch nicht mit Distanzpferden gleichsetzen. Ich denke, die oben aufgeführten Probleme werden durch die Dauerbelastung 6-8 Stunden täglich und mit teilweise viel Gepäck reiten bei keinem baumlosen zu vermeiden sein.

Es gilt den richtigen Sattel für die hohen Belastung des täglichen Reitens, auch mit viel Gepäck, wie es beim Wanderreiten der Fall ist, zu finden. Ich halte überhaupt nichts von den klassischen Stocksätteln (z.B. Westernsättel) die riesige Auflageflächen haben, keinerlei Flexibilität im Baum. Diese Sättel können nicht passen bzw passen nur in einer einzigen Stellung. Daher brauchen sie ja auch diese Monsterpads darunter. Ich kenne einige Reiter mit Westernsätteln deren Pferde auch eine Atrophie des Trapezmuskels haben obwohl der Sattel angeblich prima passt.... Auch die klassischen Dressursättel taugen in meinen Augen dazu nicht da ihre Auflagefläche zu klein ist und man das Gewicht des Gepäcks auch nicht über den Sattelbaum verteilen kann da er keine überragenden Trachten hat. Mir erschien daher der baumlose Sattel als das Nonplusultra, als die Innovation (Wobei mit dem Packtaschengewicht hat der baumlose da ähnliche Probleme). Von der Theorie her ist das ja durchaus einleuchtend. Als ich den zum ersten Mal auflegte habe ich mein Pferd gespürt so als würde ich ohne Sattel reiten. In dem Sommer war ich oft ohne Sattel unterwegs und mein Pony neigt zum Buckeln wenn er ohne Sattel geritten wird da er keinen Widerstand des Sattels fühlt und den Rücken dadurch wunderschön krumm machen kann. Es ist einfach die Freiheit sich so zu benehmen wie auf der Koppel. Buckelnd über die Koppel schießen war seine Lieblingsbeschäftigung - heute ist er etwas gesetzter da ja auch 7-8 Jahre älter) Das gleiche Verhalten hat er gezeigt als ich zum ersten mal den baumlosen auflegte.

Ein Pferd ist so stark in Bewegung, jede steife Zwangsjacke muss unwillkürlich drücken wenn es anfängt sich zu bewegen. (Wobei auch da gibt es steife Pferde und biegsame, es wird sich also unterschiedlich heftig aus wirken). Die Kunst ist es, einen Sattel zu konstruieren, der seitliche Flexibilität mit großer Auflagefläche kombiniert, der selber leicht ist und die, sich stark bewegenden Stellen am Pferd (Widerrist und Schulterregion) frei hält damit da nichts scheuern kann und der den Druck des Reitergewichtes über die Steigbügel vom Rücken auf die Rippen verlagert und auch da verteilt. Und all das kann ein baumloses System offensichtlich nicht und es führt bei entsprechend hoher Belastung unweigerlich zu Problemen!

 

19.03.2014

Antwort von Barefoot® (Sie hatten obigen Bericht ohne die Ergänzung vom 15.03. in etwa so erhalten:)

"Lieber Herr Müller,

natürlich sehen wir Ihre Hinweise und Empfindungen als Chance uns zu verbessern. Wir hören auch gerne Kritik – bisher kam in der Regel täglich nur positive bei uns an, über die wir uns sehr freuen.

Wir bedanken uns daher besonders für Ihre Mithilfe und Schilderung Ihrer persönlichen Eindrücke.

Viele liebe Grüße aus Hirschhorn"

 

07.04.2014

Da mein 6 Monate lang benutzter Sattel erhebliche Materialabnutzungserscheinungen außerhalb der Normalität hatte, habe ich ihn an Barefoot zurückgesandt um ihn in Stand setzen zu lassen (Garantieleistung). Die Gurtstrippen waren in einem sehr schlechten Zustand, Der Reißverschluss von der Vorderzwieseltasche kaputt (Zipper zerbrochen) und 2 Nähte aufgegangen

Am 14.04. erhielt ich daraufhin folgende eMail.

"Sehr geehrter Herr Müller, wir bedauern, dass unser Produkt Ihren Ansprüchen nicht gerecht wurde. Bitte teilen Sie uns Ihre Bankverbindung mit, damit wir Ihnen den kompletten Kaufpreis rückerstatten können. 

Mit besten Grüßen aus Hirschhorn"

Ob das etwas mit meinen obigen Ausführungen zu tun hat weiß ich nicht. Ich hatte mit meiner Reklamation nicht darauf hingewiesen. Post und email-Adresse unterschieden sich, bei ein wenig Recherche wäre der Zusammenhang jedoch schnell klar geworden ...

Den kompletten Rechnungsbetrag incl der Wanderreitschabracke, die ich teilweise heute noch nutze, erhielt ich tatsächlich zurück überwiesen! An der Kulanz von Barefoot® ist jedenfalls nichts auszusetzen.

 

 

01.11.2014

Ich bin mit dem Sommersattel auch jetzt, nach 1 Jahr Nutzung, sehr zufrieden. Im September habe ich ihn nochmal nachpolstern lassen da durch das Auffüllen der Kuhlen hinter dem Schulterblatt der Sattel vorne etwas höher kam und der Schwerpunkt sich nach hinten verlagert hatte, Er sitzt sehr gut, verrutscht nicht, entlastet das Pferd und ist sagenhaft bequem. Er ist hervorragend gut für Gepäck geeignet denn alles lässt sich gut befestigen ohne das Pferd direkt zu belasten. Sogar die Ortlieb-Packtaschen, die an sich etwas schwierig so zu befestigen sind, dass sie nicht den Rücken belasten, kann ich über den Trachten des Sommer-Sattels befestigen, so dass sich die Last über den Sattelbaum verteilt. Dazu musste ich allerdings die Ortlieb-Gurtbefestigung komplett umbauen - funktioniert aber sehr komfortabel duch vier Plastik-Klickschnallen mit Blockierungsmöglichkeit. Die Halterung bleibt am Sattel, die Packtaschen können einzeln abgeklickt werden. Durch die hochstehende Vorderfork können Vordertaschen so befestigt werden, dass sie nicht den Widerrist berühren.

 

 

Nachtrag im Mai 2016

 

Der Sommersattel hat sich weiterhin so bewährt wie am Anfang. Im Jahr 2015 hatte ich, bzw. mein Pferd, aber erhebliche Probleme im Bereich hinter dem linken Schulterblatt. Dies ist genau die Stelle an der er durch den Barefoot-Sattel zu viel Druck abbekam und sich seinerzeit weiße Haare gebildet hatten.

 

Die Probleme begannen 2014 mit einer spürbaren Veränderung der Felloberfläche, sie wurde unter den Haaren irgendwie steif und unflexibel, dann gingen die Haare auf einer Fläche von vielleicht 5 cm Durchmesser aus, so als wenn die Haarwurzeln keinen Halt mehr hätten. Nachdem die Haare ausgegangen waren bildeten Sie sich neu und waren weiß und borstig.

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Immer wieder bildete sich eine Art Schuppen zwischen den kurzen Borsten, die Haut war "aufgeweicht" und die Schuppen ließen sich ausbürsten. Ich war in 2014/15 sehr viel unterwegs, habe die Stelle gepflegt aber, da mein Pony ansonsten keine Probleme damit hatte, so belassen. Dann trat plötzlich 20 cm weiter hinten ebenfalls ein Problem auf - genau an der Stelle wo das Reitergewicht den Rücken belastet. Erst dachte ich - "Scheiße jetzt geht das Satteltheater weiter", bloss warum tritt das nur links so massiv auf und nicht auch rechts (da war NICHTS)? Ich habe daraufhin sofort den Sattel überprüfen lassen aber der Sattler fand keine Ursache dafür - seiner Meinung nach passte der Sattel perfekt. Dennoch hatte mein Pferd an den betreffenden Stellen eine sehr weiche, teils aufgequollene Haut und wurde hinten unter dem Sitzbeinhöcker kahl und leicht wund. Kein TA konnte mir dazu etwas schlüssiges sagen - sie sagten "Satteldruck".... 

 

Dann fiel es mir irgendwann wie Schuppen von den Augen. Er hat einen Pilz an den Stellen. Ich ließ einen Abstrich machen und der war natürlich positiv. Durch das ständige Ausbürsten der vorderen Stelle haben sich Sporen über den Rücken verteilt und an der am stärksten beanspruchten Stelle weiter hinten einen weiteren Pilzbefall ausgelöst. Ich habe mit Antipilzmittel behandelt und der Pilz hinten verschwand sofort, vorne nach mehrmaliger Behandlung auch, die kahlen Stellen blieben erstmal, die Haut sah jedoch gesund und wiederstandsfähig aus und nicht mehr wund. Hinten hat sich das Fell schnell normalisiert. Vorne wachsen die kurzen weißen Borsten nach und bilden eine struppige Stelle mit langem Haar. Die Haut darunter jedoch immer noch unflexibel und steif?

 

Eine Frage blieb: Warum bekommt ein gesundes Pferd einen Hautpilz selektiv an einer einzigen Stelle unter dem Sattel, die noch nicht einmal stark belastet sein kann?

 

Die Antwort kam Ende Juli 2015 - ich brach zur Wiederholung des Pyrenäenrittes aus 2014 auf. Ich hatte mir eine kleine Tropfflasche mit dem Antipilzmittel mitgenommen und  die Stelle selektiv immer wieder behandelt. Irgendwann reagierte mein Pony äußerst stinkig auf die täglichen Beträufelungen immer der gleichen Stelle (er mag das nicht besonders). Ich habe das dann erstmal eingestellt, da es scheinbar eh nichts geholfen hat. Zwei Tage später, an einem der letzten Reittage hatte er plötzlich eine etwa kirschgroße feste "Beule" unter der sonst intakten Haut - sehr merkwürdig. Ich dachte sofort an ES, (Equines Sarkoid) da er in jungen Jahren schon einmal ein Sarkoid am Hals hatte. Aber das war über etwa 4 Jahre von linsen- bis walnußgross gewachsen und nicht in einer Nacht. Aber man weiß ja nie. Wir sind dann nach Hause gefahren und ich konnte einige Tage nicht reiten - habe mir natürlich Gedanken gemacht was ich mit dem Sarkoid machen soll, da so etwas in der Sattellage natürlich nicht witzig ist. Wenn es operiert wird könnte ich mehrere Wochen, wenn nicht Monate nicht reiten. Seine Kondition geht den Bach runter und wer weiß was das alles zur Folge hat. Im Grunde genommen störte es ihn nicht, keine Anzeichen dafür, dass der Druck des Sattels, der an dieser Stelle auch sehr weich gepolstert ist, für ihn unangenehm wäre.

 

Dann ein paar Tage später die Auflösung des ganzen Rätsels. Die Haut an der Stelle reißt, völlig von innen aufgeweicht, auf und Eiter tritt aus. Was sich dann mit einem TA herausgestellt hat: Er hatte unter der kreisrunden Stelle, wohl schon seit längerer Zeit, einen Abszess. So etwas wird in der Regel durch Staphylokokken hervorgerufen, die durch Sattelzeug und eine Wunde in die Haut geraten und dann nach innen wandern, Gewebe auflösen. Der sich bildende Eiter wird  abgekapselt (mit einem Häutchen umgeben), es bildet sich eine Blase flüssigen Eiters. Dieser Abszess hatte eine Störung der Blutzirkulation der Haut zur Folge und dadurch sah das Schweißbild so aus und es entwickelten sich ab Herbst 2015 wieder die weißen Haare und der Pilz - und und und !

 

weiße Stellen, verursacht durch Druck/Scheuern des Barefoot-Sattels
März 2014 - weiße Stellen verursacht durch
den Druck/Scheuern des Barefoot-Sattels
Seit Oktober 2013 benutzte ich diesen nicht mehr
 
Mai 2015 - mit dem Sommerfell scheint jetzt alles weg zu sein. Nur
dieses Schweißbild ist, an der gleichen Stelle, nicht ok. (auf der anderen Seite ist es geschlossen), eine Sattelprüfung des Sommer-Sattels brachte keine Ursache zutage
 

   
September 2015 - Der Abszess ist aufgebrochen
und hat Oberhaut/Fell aufgelöst, Eiter tritt aus. Darunter ein Pilzbefall (weiße Hautpartikel/Schuppen)
Oktober 2015 -  Nach wochenlangem Auftragen von Zugsalbe und Antibiotika-Gabe sieht man hier noch letzte Reste der Verletzung.
 

 

 

Es war wohl ein "Altschaden" aus der Zeit mit dem Barefootsattel weil danach keine oberflächliche Verletzung der Haut mehr stattgefunden hat. Der Abszess (Wikipedia: abgekapselte Eiterblase) hat sich wahrscheinlich seit 2013 ständig vergrößert, hat die Versorgung der Haut und des Fells gestört, ist dann durch die Belastung (Sattel/Reiter/Gepäck) dann 2015 geplatzt und der Inhalt hat sich einen Weg unter die oberste Hautschicht gesucht und ist dort teilweise geronnen. Daher rührte auch die "steife" Stelle in der Oberhaut. Ich musste dann leider Antibiotika geben und alles ist innerhalb einiger Wochen abgeheilt. Dabei kam ich in den Genuss eineinhalb Monate ohne Sattel im Galopp durch den Wald schießen zu dürfen - immer mit der latenten Angst mein Pony könnte eine seiner Lieblinsbeschäftigungen aus seiner  Jugendzeit, das Abbuckeln, wieder aufnehmen. Allerdings war das nicht der Fall, er war hochanständig, dankbar sich trotz der Wunde bewegen zu dürfen und bis auf total verdreckte Reithosen war das eine Freude. Das war im Herbst 2015. Mittlerweile (Mai 2016) sind auch fast keine weißen Haare mehr vorhanden, lediglich eine kleine (5mm) kahle Stelle zeigt noch den Haupt-Austrittskanal des Eiters an. Die Haut ist jetzt flexibel und weich wie an anderen Stellen auch. Mal schauen, wenn jetzt das Sommerfell vollständig ausgebildet ist, ob dann alles weg bleibt oder er eine weiße Stelle behalten wird. Es bleibt immer spannend....

 

 

März 2017 - alles Bestens

Noch immer mit dem Sommer-Spirit mehr als zufrieden. Sieht zwar nicht mehr so schön aus wie beim Kauf aber das sind Abstriche, die man bei naturgegerbtem und gefärbtem Leder machen muss. 4000 km im Jahr, Wind, Regen, Sonne, fordern hier ihren Tribut!

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