Der ultimative Härtetest für Hufschuhe - Alpenüberquerung über 150km und 4 Alpenpässen mit 11700 Höhenmetern

 

**) Das Kickstarter-Projekt Megasus Horserunners, an dem ich mich finanziell beteiligt habe, hat auch einen Teil dazu beigetragen, dass ich trotz erheblicher Kosten und ständiger Rückschläge, weitergemacht habe. Die Megasus-Kunststoff-"Beschläge" werden im September 2017 ausgeliefert und ich wollte sie dann testen, dazu brauche ich aber ein unbeschlagenes Pferd, das sich nach Möglichkeit schon am Ende der 9/10-monatigen Umstellungsphase auf Barhuf befindet. Obwohl ich sehr skeptisch bin was das Megasus-System angeht, nicht denke, dass es in der Praxis einsetzbar ist, halte ich es für so revolutionär, dass ich es unbedingt testen muss! Infos auf der Website: https://horserunners.com. Der Testbericht wird später hier veröffentlicht!

 

EINLEITUNG (Hintergründe)

auf der Suche nach Vollkommenheit
begonnen August 2016 Schon vor 10 Jahren habe ich mich ansatzweise mit alternativem Hufschutz beschäftigt. Damals, hatten Freunde von mir auf mehreren Pferden Hufschuhe unterschiedlicher Bauart und es war furchtbar. Das Anziehen ein Drama, mit Hammer und Feile bewaffnet, die Verschlussmechanismen (esayboot epic) mit Gewalt zugedrückt,  damit sie halten und mit Hebelwirkung (Hufkratzer/Schraubenzieher) wieder geöffnet - aber immer wieder flogen welche durch die Gegend bei unseren etwas gewöhnungsbedürftigen Galoppaden. Der Huf mit Gewalt und Drahtschlingen eingezwängt - ich dachte mir immer "gut kann das doch nicht sein". Damals hatte mein Pony Eisen und ich keine Veranlassung das zu ändern auch wenn eingeschworene Barhuf-"Fanatiker", möchte ich sagen, das anders sahen. Ich habe immer gesagt, "wenn mein Pony mal Probleme mit den Eisen hat dann stelle ich auch um, aber nicht vorher"! Meine Freunde sind dann auch wieder davon abgekommen denn bei dem Reitpensum was wir jedes Jahr absolvieren war das einfach nicht durchzuhalten. Nach der Absage des zweiten Vogesenrittes für dieses Jahr im Juli (2016) - Pony hatte seit Anfang Juni einen vernagelten Huf mit Ausblutung in den Huf, so dass er lahmte - einem Monat des "Nichtreitens" (er wurde langsam schon depressiv) und einem Monat des "Langsam-wieder-Anfangens" - geht es morgen mit einem Hufschuh und 3 Duplos zu unserem vierten Pyrenäenritt (langsam wird das zur Sucht). Der Hufschuh wurde mir aufgezwungen da ein weiteres Aufnageln eines Eisens an dem Huf im Augenblick unmöglich war, die Duplos habe ich gewählt um den Gripunterschied zwischen hufbeschuhtem Bein und den anderen Beinen nicht zu groß werden zu lassen. Ausgestattet mit einem Ersatzhufschuh "equine fusion all terrain", zwei alten Ersatzeisen und 6 Norwegersocken (gegen das Wundscheuern im Hufschuh) wollen wir sehen was daraus wird. Halten die Duplos auch im Gebirge? Klappt das mit dem Universalhufschuh auch bei längeren Ritten?
Selbst wenn nicht alles gut geht sind wir jedenfalls um Erfahrungen reicher !

Oktober 2016
es ging alles mehr oder weniger gut

 

Also habe ich mich, aufgrund der Probleme mit dem "Nageln" und nach dem Auftreten von Macken, Rissen im Hufhorn, jetzt entschlossen auf barhuf umzustellen, oder zumindest mal alles dazu nötige zu tun. Ob es letztlich bei unserem Reitpensum machbar ist - das werden wir sehen. Auslöser war in erster Linie die Verletzung durch "Vernageln", aber auch die schleichend schlechter werdende Hufhornqualität. Ich habe Biotin zugefüttert und dennoch hatte ich das Gefühl, das Horn wird immer schlechter, Risse tauchten auf, das Problem mit den Nagellöchern bei seinen zarten Hufen (der Abstand zwischen den Beschlagsterminen darf nicht zu kurz sein, da sonst alte und neue Nagellöcher die Hufwände zu stark perforieren). Ich habe einfach die Gelegenheit der Verletzung genutzt um mich mit Hufschuhen beschäftigen zu müssen. Auch hat es mich schon immer gestört, dass mein Pony ja in 80% der Zeit im Jahr mehr oder weniger steht oder sich auf weichem Untergrund bewegt - auch im Paddock oder auf der Koppel laufen sie nicht wirklich viel - da braucht er keine Eisen, nur während des Reitens ist ein Schutz nötig. Dann ein weiterer Nachteil von Beschlägen: Die Termine an denen er beschlagen werden muss, müssen mit den geplanten Ritten abgestimmt werden. Immer möglichst kurz vor den längeren Ritten beschlagen lassen und nicht enger als alle 7-8 Wochen. Auch der fehlende Ballenschutz ist bei Eisen ein Problem. Wie oft hat das Pferd eines anderen Reiters, der keinen Abstand halten konnte, mein Pony an den Ballen getroffen und heftig verletzt? Auch das Laufen im Gebirge oder Treppenstufen hinunter ist eine Quelle von Verletzungen an dieser Stelle - da helfen auch keine Gamaschen denn die gehen nicht so weit runter und Springglocken möchte ich nun wirklich nicht anziehen. Die Erfahrungen, die ich mit verschiedenen Schutzsystemen gemacht habe nachfolgend.
Als erstes möchte ich betonen, dass ich weder einen wirtschaftlichen Vorteil durch den folgenden Bericht erzielen kann noch ein ausgesprochener Barhuf-Fanatiker bin. Ich habe die verschiedenen Systeme kritisch aber objektiv in Bezug auf deren praktische und pferdegerechte Tauglichkeit zu betrachten versucht. Es ist eigentlich immer das gleiche. Es gibt jede Menge Berichte von denen aber nicht klar ist wer sie gesponsert hat. Es gibt selten einen vergleichenden, objektiven Bericht von unabhängiger Seite am selben Pferd. Wie schrieb eine Barhufpflegerin in einem Kommentar zu diesem Artikel in Facebook: "Nicht zweckdienlich!". Ja genau - das kommt halt auf die Sichtweise an. Aus Sicht des Herstellers und Vertreibers der durchgefallenen Hufschuhe sicher nicht zweckdienlich, aber aus Sicht des Reiters und Pferdebesitzers?

Ich habe im Vorfeld viele Berichte gelesen die in der Regel von Leuten verfasst wurden, die an den jeweiligen Systemen oder an pro-barhuf verdienen. Das Ergebnis war oftmals ein leichtes bis heftiges Beschönigen der Nachteile und als Letztes die Ausrede. "Wenn der Hufschuh nicht hält dann passte er nicht für das jeweilige Pferd und man muss einen anderen wählen". Ich sehe das nicht ganz so (Entschuldigung: Ein Satz Hufschuhe kostet nicht unter 430 Euro). Die Hufschutzsysteme die ich getestet habe versagten in der Regel nicht weil sie nicht die Richtigen waren sondern weil sie vom Design her mangelhaft waren bzw. Materialmängel aufwiesen, weil sie nicht bis zum Letzten durchdacht waren. Mein erstes Paar Hufschuhe habe ich von einem Barhufpfleger bekommen und sie haben anfangs Ihren Zweck erfüllt aber nachdem ich dann 6 Stück (ca 700 Euro) als Dauerausrüstung gekauft hatte musste ich leider feststellen, dass sie als Dauerlösung unbrauchbar waren. Ich lese immer wieder in Berichten über Hufschuhtests Sachen wie: "Diese Hufschuhe sind getestet auf 28.000 Kilometern quer durch Amerika". Super Aussage - es fehlt die Erklärung wie viele Schuhe in den 28000 Kilometern verschlissen wurden. Warum wird darüber keine konkrete Aussage getroffen? Diese Berichte muss man sehr kritisch hinterfragen, besonders wenn sie von den Herstellern verbreitet werden.

Zum oft vorgebeteten Gerücht: "Hält der Hufschuh nicht, dann passt er nicht zum Pferd": Sicherlich gibt es Einschränkungen bei kranken, deformierten Hufen oder viel zu hohen Trachten. Mein Pony hatte jedoch neben einem vom Hufschmied vernagelten Huf,  drei völlig gesunde Hufe, läuft gerne und viel. Aber wenn sich dann ein Material als zu schwach für die Belastung erweist, Klettverschlüsse auf Grund ihrer Konstruktion nicht zuhalten können, Hufschalen sich nach 2 Monaten Belastung weiten und dann nicht mehr halten oder Schuhe zu klobig und schwer sind, so dass sie im Galopp von den Hinterhufen fliegen ohne, dass man irgend etwas daran ändern könnte (ich habe es in jedem Fall mit Ausdauer versucht), dann sind das, meiner Meinung nach, Design- und Qualitätsmängel und keine, nicht zum speziellen Pferd passenden Systeme. Meine Beurteilung ist eine kritische Betrachtung in der ich Vor- und Nachteile berücksichtige aber in erster Linie die Praxistauglichkeit bei meiner Reitweise im Sinn habe. Dies bleibt natürlich subjektiv aber jeder kann sich beim Lesen zur Allgemeintauglichkeit des Berichtes eine eigene Meinung bilden.

Vielleicht noch etwas zu meiner Reitweise: Ich reite im Jahr etwa 3-4000 km, das sind bis zu 800 Stunden. Im Durchschnitt also etwa 330km im Monat, naturgemäß im Sommerhalbjahr wesentlich mehr als im Winter. Wobei sich der Winter eher auf Dezember bis Februar beschränkt. Mein Pony liebt schnelle Sprints, galoppiert für sein Leben gerne auch um 90° Kurven und mit anderen um die Wette oder hinter Fahrrädern her wenn ich ihn lasse (manchmal auch, ohne dass ich ihn lasse). Ich liebe Berge, Dickichte, scheue nicht vor Schlamm, Dreck und Wasser, nicht vor Treppen und nicht vor extrem steilen Wegen sowohl hinauf wie auch hinunter. Im Sommer bis in den Herbst hinein sind wir öfter im Hochgebirge unterwegs - die Wege dort: steinig, felsig und schwierig. Im täglichen Ausreitgelände gibt es viele Steigungen, Schotterwege die bei Trockenheit recht hart sein können aber auch weiche tiefe Waldwege. Ich denke, viel mehr wie ich, kann man Hufschuhe kaum belasten - es sei denn durch noch mehr Kilometer wie beim Distanzreiten. Aber das mag ich nicht! Wobei Distanzreiten, durch die eher gleichförmige, ausdauernde Bewegung, eher die Sohlen abnutzt und nicht das Material der Schuhe an Belastungsgrenzen führt.

Im Großen und Ganzen sieht man in meinem Langzeittest überdeutlich, dass der, von der Hufschuhindustrie und den diversen nachfolgenden Handwerkern, verbreitete Mythos "Hufschuhe seine billiger als konventioneller Eisenbeschlag" komplett an der Realität vorbei geht - zumindest bei einer pferdegerechten Nutzung! Denn frei laufende Pferde legen am Tag locker 30 km (und mehr) zurück - macht im Jahr 10680km. Ich reite maximal 4000 km im Jahr, also noch nicht einmal die Hälfte der als pferdegerecht zu wertenden Kilometerleistung ....

Zur Sortierung: Ich habe die Hufschuh-Kapitel in der Reihenfolge des Erwerbs aufgeführt, was natürlich dazu führt, dass es keine korrekte zeitliche Auflistung ist, sondern der Abschnitt eines Typs so lange bearbeitet wurde bis ich diesen Hufschuh nicht mehr verwenden konnte/wollte.

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Hufbeschlag mit Duplos


Die bei, mir mit Nägeln besfestigten, Beschläge (man kann sie auch mittels aufgeschweißten Laschen an die Hufwand kleben) enthalten einen Stahlkern, ohne den die Nägel nicht halten und die Beschläge Ihre Form nicht behalten würden. Der vordere hat zwei Aufzüge, die hinteren beiden keine Aufzüge (es hat Beschaffungsprobleme durch die zu kurzfristige Bestellung gegeben). Zwischen Kunststoff und Hufhorn befinden sich bei beiden Ausführungen "Krallen" aus Hartkunststoff die ein Verrutschen und Verdrehen verhindern sollen. Dadurch, dass der Beschlag einen ziemlichen Grip gegenüber dem Untergrund aufweist ist die Belastung zwischen Beschlag und Horn viel höher als bei Eisen. Das belastet natürlich die Nägel und die Hufwände. Dazu kommt, dass die Stahleinlagen der Beschläge Langlöcher quer zur Hufwand aufweisen müssen um sie bei unterschiedlichen Hufformen überhaupt nageln zu können. Ein Eisen könnte man schmieden um die Löcher exakt an die weiße Linie zu bringen, den Kunststoffbeschlag natürlich nicht. Nach ca. 1 Woche reiten auf schwierigstem (sehr felsigem, steinigen) Gelände brachen die ersten Fetzen aus dem Kunststoff der hinteren Beschläge heraus und ich dachte schon die Dinger fliegen mir irgendwann um die Ohren. Es sah richtig übel aus. Außerdem begannen sie sich zu drehen. Allerdings waren sie noch fest. Nach zwei Wochen sah man hinten fast rundherum den Stahlkern und in einer Nacht auf einer sehr steilen Koppel fehlten die äußeren Nägel. Wir haben sie dann nachgenagelt was glücklicherweise kein Problem war. Ich vermute, das ist passiert, da mein Hufschmied sie sehr flach genagelt hatte weil ich ja langfristig auf barhuf umstellen wollte und weil sie eben keine Aufzüge hatten. Trotz des katastrophalen Aussehens haben sie die drei extremen Wochen mit etwa 350km auf oftmals stark steinigem, felsigen Untergrund, gehalten. Der vordere Beschlag sieht noch wesentlich besser aus, die Kunststoffummantelung ist aber auch an den Kanten vorne bis aufs Stahlinlay abgewetzt.
 
hinten links - hinten rechts - vorne rechts - nach 4 Wochen in teilweise extrem felsigen Gelände

Hier sieht man auch, dass die Hufsohle nicht/nicht gut gereinigt werden kann. Diese Duplo-Version hat die weichste Plastikmischung und Aufzüge. Es gibt noch 2 härtere Beschläge (was ich/bzw. mein Hufschmied nicht wusste) sonst hätte ich für das extrem felsige Gelände der Pyrenäen diese verwendet. Beim Entfernen des Beschlages (nach etwa 4 Wochen) ist aufgefallen, dass sich einiger Dreck zwischen Beschlag und Hufsohle angesammelt hatte (man kann da nicht sauber machen) und das Horn scheinbar dauerfeucht und dadurch sehr weich und bröselig war. Auch haben die Strahlfurchen, da wo die Beschläge den Strahl verdecken deutlich gemuffelt. Das ist ziemlich kontraproduktiv für eine gute Hufgesundheit!!

Fotos links: hinten (6 Wochen) nach dem Reinigen - Foto rechts: vorne (4 Wochen)
mehr Bilder aus dem Gelände hier:
https://www.facebook.com/Wanderreit…



Fazit: Eine Beschlagsperiode von 8 Wochen kann ich mit den orangenen Duplos vergessen.

Es gibt ja noch 2 härtere Varianten. Die grüne Version ist gleich teuer 2017 (14€/Stück), die in  den Granitfelsen Arizonas erprobte Version Duplo Arizona mit verstärkter Zehe ist allerdings teurer (19,34 €/Stück). Eigentlich ist die orange Duploversion ein Winterbeschlag und nur die grüne Version ist ausreichend hart für die Nutzung auf steinigen Böden. Man sollte auch unbedingt Aufzüge verwenden damit die Beschläge nicht drehen können, denn das ruiniert die Nägel und Nagellöcher in kürzester Zeit. Bei einem Ritt über die Alpen hat das einzige, mit der orangenen Dupoloversion beschlagene Pferd, gleich einen verloren, während alle anderen mit grünen Beschlägen keine Probleme hatten (das war vielleicht Zufall ?! aber dennoch Fakt).

Zu beziehen sind Duplos z.B. über den deutschen Onlineshop des Entwicklers Hubert Frank.

Und hier zur Vervollständigung auch noch der Preisvergleich mit Eisen: Diese kosten, je nach Ausführung um 3 €/Stück. Somit sind die Kosten bei Duplos zwischen 45,- und 70 Euro / Komplettbeschlag höher.

Bei einer Beschlagsperiode von 6 Wochen und meinem Reitpensum/Reitgeschwindigkeit wäre das auf normalem Boden wohl ok, aber es perforiert die Hufwand schon sehr stark, da nach 6 Wochen nicht genug nachgewachsen ist damit die alten Löcher nicht die neuen Löcher tangieren. Das heißt bei kleinen, zarten Hufen ist das NICHT GUT! Dann lieber Eisen, denn wirklich schonend sind die Duplos nicht. Sie dämpfen ein bisschen die Stöße aber der Hufmechanismus ist genauso ausgebremst wie bei Eisen, die Stöße werden überwiegend vom Tragrand aufgefangen, weder der Strahl noch die gesamte Innenfläche des Hufes erhalten ausreichend Gegendruck. Das abscherende heftige Bremsen auf glatten Böden, das permanente Perforieren der Hufwand mit zu vielen Nagellöchern und die schlechte Hygiene beim Putzen sind kontraproduktiv und belasten den Huf unnötig - natürlich ist was anderes!

Ich kann mir vorstellen, dass sie tauglich sind wenn man meist im Schritt auf Waldwegen, Schotterwegen oder auch auf Teerstraßen unterwegs ist, im Gebirge mit felsigen Aufstiegen wird es, auch im Schritt, schon schwierig, galoppiert man jedoch viel dann halten die hinteren keine 4 Wochen! Und bitte - wer möchte sein Pferd alle 4 Wochen beschlagen lassen.
  Also ist dieses System für mich nicht das Geeignete!

Der Fairness halber muss ich hier noch sagen, dass es Leute gibt, die auf Duplos schwören, 800-1000km mit einem Beschlag zurückgelegt haben (mit der grünen Version, die jeweils 5-6 Monate "abgelagert" wurde um den Weichmacher verdunsten zu lassen) und damit sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Wenn ich auf Dauer nicht mit Hufschuhen klarkomme, würde ich, mit den heutigen Erfahrungen, Duplos auf jeden Fall Eisen vorziehen.

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Hufschuh “Equine fusion all terrain”





So sieht er neu aus Auf Empfehlung eines Hufpflegers habe ich mir zunächst den "equine fusion Allterrain"-Hufschuh (EQFU) gekauft. Zusätzlich ein "dumping pad", eine Einlage als zusätzliche Dämpfung für mein sehr sensibles Pony das seit 10 Jahren durchweg beschlagen ist. Die Sohle dieses Modelles ist nicht hart sondern das Pferd spürt den Untergrund und kann so seine Sensibilität auf spitze Steine verringern, seine Schmerzgrenze langsam nach oben schieben um vielleicht irgendwann einmal ohne Hufschutz auszukommen. Der Schuh wird mit einem inneren Klettverschluss (2 Klettlaschen) geschlossen, der sehr gut hält, darüber wird ein Sicherungsband, das von der inneren unteren Innenlasche vorne durch einen Ring an der Zehe und über die äußere obere Innenlasche geklettet wird und darüber kommt dann noch ein Außenmantel (oben zu sehen). Hinten weist der Hufschuh einen Neopreneinsatz auf, der Scheuern so weit als möglich verhindern soll. Website: http://www.eqfu.no/all-terrain.html

  

  

Video: Ein geniales Werbe-Video mit gigantischen Luftaufnahmen eines Rittes auf den Pulpit Rock in Norwegen



http://wanderreiterweb.de/… (das Youtoube-Video auf der Original-Website war wegen GEMA-Rechten für Deutschland gesperrt, meine private Seite ist dagegen GEMA-lizensiert.)

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Seine Hauptnachteile, soweit ich sie relativ früh (in den ersten 4 Wochen) bemerken konnte, sind:


  • er scheuert gerne vorne die, anfangs sehr empfindliche, Haut 3-5cm über dem Kronrand auf - Abhilfe ein Strumpf (was aber auch wieder Nachteile hat, da der Schuh dann nicht so gut hält, der Strumpf natürlich schnell Löcher bekommt und bei Schlamm und Dreck kann man ihn nicht wirklich sauber bekommen wenn man keine Waschmaschine dabei hat. Nach etwa 2 Wochen war das Problem dann nicht mehr so vorhanden, da sich wahrscheinlich an der Stelle eine Hornhaut entwickelt hat, die Haut wurde jedenfalls widerstandsfähiger gegen Scheuern. Besonders schlimm war es auch weil er am Anfang den Schuh 24h am Tag an hatte.


  • er dreht sich gerne leicht, vor allem mit Strumpf am Fuß, was aber normalerweise nichts macht da er weich ist. Wie schlimm das wird hängt natürlich auch von der Hufform ab. Mein Pony überspringt im Verhältnis von Breite zu Länge locker eine ganze Größe. d.h. bezogen auf die Breite bräuchte er eigentlich Größe 11, da passt aber die Länge nicht hinein -> also 12 - und dann dreht er!
  • Andererseits wird ein runder Huf auch zum Drehen neigen da der Huf im Hufschuh keinerlei Halt findet.

  • bei extremem Boden oder im Galopp auf der Hinterhand kann sich der Neoprenrand im hinteren Bereich so weit ausdehnen, dass der Schuh stecken bleiben und der Huf aus dem Schuh rutschen kann ohne dass er sich öffnet. Allerdings habe ich ihn bei etwa 16 Reittagen (vorne)  nur 5-6 mal verloren, einmal noch mit Strumpf, drei mal an einem einzigen Tag. (keine Ahnung was da los war), davon einmal in einem aufgeweichten Wiesenloch von etwa 45cm Tiefe. Im Endeffekt hatte ich nur an 3-4 Tagen Probleme. Ansonsten war das Gelände wirklich eine Hufschuh-"challenge". Jeden Tag Schlamm, Morast, Steine, Felsen, Bäche, Gestrüpp, Unterholz usw. Natürlich hätte ich mit vier Hufschuhen einiges zu tun gehabt.

  • Schlamm und Dreck kann oben in den Schuh hineingelangen und dann dort scheuern und wunde Stellen, vor Allem hinten im Ballenbereich, erzeugen.





  • nach 2,5 Wochen mit fast täglichem Gebrauch, jeder ca 200 km in schwierigem Gelände - in der Waschmaschine gewaschen und den Klettstreifen mit einer Klettbürste gereinigt - sieht nicht wirklich gut aus. Was im Winter bei Eiseskälte wird - das wird sich noch zeigen!

    Zwischenstand nach 5 Wochen vorne und 1 Woche auf der Hinterhand:

    Ich habe gestern beim Galopp bergauf den Ersten EQFU Hufschuh von der Hinterhand verloren - es war der dritte Galopp an diesem Tag. Es ist offensichtlich, dass durch die, zu stark dehnbare Kante hinten, der Schuh auf den Hinterhufen nicht halten kann, da die Pferde sich beim Galoppsprung überwiegend mit den Hinterbeinen abstoßen, und dass das die Dehnungsgrenze des Schuhs überfordert. Diese Konstruktion taugt nichts. Das Rausschlupfen könnte man evtl. stoppen in dem man dem Neoprenrand einen Ausdehnungsstopp verpasst, etwa ein aufgenähtes Gurtband. Das werde ich jetzt noch versuchen.
    das Reinigen kann auf einem Wanderritt schwierig werden da Schlamm, trockene Gräser und Moos die Klettverschlüsse verkleben und diese nicht mehr so gut halten. Man kann ihn in der Waschmaschine waschen und den Klettverschluss muss man mit einer Nadel/feinen Drahtbürste von Verunreinigungen befreien (es gibt spezielle Klettbürsten zu kaufen). Der innere Klettverschluss ist relativ dicht und verschmutzt nicht leicht, der äußere hat eine zu kleine Größe und klebt im Randbereich schnell nicht mehr wirklich. Dann kommt natürlich mehr Dreck auf die Kletten.

    erstes Fazit: Der Schuh ist sehr leicht anzuziehen und hält vorne verhältnismäßig gut am Huf. Hinten kann man sie m.E. nach nicht verwenden. Die Haltbarkeit wird nicht durch die Sohle begrenzt sondern durch den Verschlussmechanismus und die Materialqualität generell. Da der Klettverschluss nicht austauschbar ist und 4 Hufschuhe etwa 420 Euro kosten, kann das ein teurer Spaß werden. Auf normalem sauberen Boden ist das überhaupt kein Problem, aber “all terrain” sollte eigentlich für jeden Boden tauglich sein? Meine sind jetzt 5 Wochen am Pferd, da ich nur einen brauchte habe ich 2 Stück abwechselnd benutzt, d.h. jeder wurde 2,5 Wochen, allerdings fast täglich mehrere Stunden, benutzt. Eine Naht am Klettverschluss ist offen, der Verschluss ist nach der Reinigung aber noch benutzbar. Mehr Bilder aus dem Gelände hier: https://www.facebook.com/Wanderreit…

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    Februar 2017 :

    .... um die Kosten in etwa auf dem Niveau von Eisenbeschlag zu halten, müssten sie theoretisch mindestens 9-10 Monate halten - und das tun Sie nicht. Nach 4 Monaten ist Schluss mit lustig. Gerade im Winter sauen die Boots dermaßen ein, dass der Klett nicht mehr hält, an den überlappenden inneren Klettbändern permanent offen steht, noch mehr versaut und in Folge dessen vom Huf fliegt, die Nähte zerreißen und und und....

     


    Hier sieht man das vordere Gurtband (mit Schlaufe zum Spannen) welches von der unteren inneren Klettlasche durch einen Metallring im vorderen Zehenbereich läuft und über die äußere innere Klettlasche geklettet wird.

    Das Gurtband hinten hatte ich angenäht/genietet um die Ausdehnung des Neoprenrandes hinten zu verhindern, das hat funktioniert, der Schuh ging weniger häufig verloren.
    Ansonsten sehen die Hufschuhe nach knapp 4 Monaten Benutzung bescheiden aus!
     



    Beide Seitennähte sowie die Gummibänder ausgerissen. Dadurch, dass die Klettverschlüsse der äußeren Lasche nicht mehr halten steht diese ständig ab - Folge ist schlechterer Halt des Sicherungsklettbandes, das den Hufschuh vorne hält, aber relativ schmal ist. Wenn der obere Klett zu, ist dann reicht das, weil das Sicherungsband sich nur schwer lösen kann, wenn der äußere Klett aber aufsteht dann kann das in Abreißen des ganzen Schuhes bei Extrembelastung (Galopp in Kurven) münden. Und dabei zerreißen dann die Nähte!

    Modifizierte EQFU allterrain


    Bei den verbleibenden Paar habe ich jetzt ein starres Band aufgenäht/genietet, dass hinten die Ausdehnung des Neoprenrandes begrenzt und vorne die Klettlaschen per Schnalle zuhält - ist ein bisschen fummelig anzuziehen weil Pony immer so nett ist den Huf zu heben wenn man dran rum fummelt - aber das wird sich geben!


    Das ist jetzt das Non plus Ultra und funktioniert sehr gut. Der Schuh bleibt logischerweise jetzt geschlossen und kann sich nur noch sehr schwer lösen, er hält wirklich sehr gut am Huf, auch hinten habe ich Ihn nach der Änderung noch nie verloren - bloß ist es Aufgabe des Käufers so etwas durchzuführen?

    Ich habe das kaputte Paar jetzt beim Schuster nähen lassen, so kann ich sie weiter verwenden - mit dem Schnallenband werden sie halten und die Zerreißgefahr durch sich öffnende Klettverschlüsse und wegfliegende Schuhe ist nicht mehr vorhanden.

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    März 2017

    Jetzt finde ich gerade ein Update bei equine fusion. Ab 2017 gibt es den allterrain ultra in Kombination mit dem Oberteil des alten EQUFU ultra, der keine Profilsohle, aber ein Schnallenband hatte. Scheinbar haben sie auch den Oberschuh nicht mehr aus Schweinsleder sondern aus Kunstfasergewebe gemacht. Ob das Belastungen ausreichend aushält? Zumindest trocknet es schneller wie meine Lederschuhe! Leider gibt es diesen Schuh bisher nur für runde und nicht in der SLIM-Version für ovale Hufe. Er sollte aber durch die Bänder dennoch ohne Drehen am Huf sitzen denn das Drehen hat bei den getesteten All Trerrain auch aufgehört nachdem ich die Schnallenbänder aufgenäht hatte!.


    Er hat jetzt keinen Klettverschluss mehr, dafür 2 Gurtbänder. Eines vorne herum das den Schuh zu hält und eines oben hinten, um die Ausdehnung des oberen Randes zu begrenzen - es könnte funktionieren! Ich werde ihn jedoch erst mal nicht testen da mir das Problem durch hineinfließenden Schlamm und Fremdkörper und das schwierige Reinigen überhaupt nicht gefällt.

    Mai 2017

    Jetzt nach den ersten Wanderritten im Frühjahr kristallisiert sich heraus, dass diese Hufschuhe nicht weiter dauerhaft verwendet werden können. Alleine schon das permanente Problem des nassen Leders, das nach dem Trocknen hart wird und das Hineinfließen von Schlamm und Dreck bei nassem Boden machen eine Weiterbenutzung unmöglich. Casanova beginnt seit dem letzten 3-Tageritt zu schonen, sein Trab ist nicht mehr klar. Die Ursache ist das Scheuern der Hufschuhe an den weichen und empfindlichen Ballen. Die "EQFU-all terrain-Jogging-Schuhe" drücken und scheuern bei jedem Schritt da die Hufe nur lose darin stecken und sich dadurch bewegen, minimal drehen können. Sie haben jetzt, nach ca. 4 Monaten Dauerbenutzung das eine und ca. 6 Monate das zweite Paar, jegliche Form verloren, sind in sich zusammen gesackt und das Leder ist hart geworden. Vielleicht begünstigt auch das von mir aufgenähte Gurtband das Scheuern, aber ohne Gurtband halten sie überhaupt nicht am Huf (können dann natürlich auch nicht scheuern).



    links:  vorne 9 Monate nur EQFU -  Man sieht die blank-gescheuerte Ballenoberseite,
    die Haare sind jetzt nach den ersten längeren Ritten der Frühjahrssaison weg!

    rechts: vorne 7 Monate nur EQFU - das ist, unter anderem, der Grund für das Schonen im Trab, der wund gescheuerte Ballen tut bei jedem Schritt weh.  
    Eigentlich müsste jemand, der einen solchen Hufschuh als "natural hoof care" in den Verkehr bringt, geohrfeigt werden!
    Die hinteren Beine sehen ähnlich aus

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    Das gepolsterte Innenleben der Hufschuhe ist zwar noch intakt aber offensichtlich reicht es nicht. Ein Weiteres tut dann der Dreck der oben hineinkommt und im Schuh trocknet. Es hilft auch kein Einreiben mit Fett, denn das ist nach kurzer Zeit weg, in das Innenfutter des Schuhes verschwunden. Man kann leider nicht bei angezogenem Schuh hineinsehen daher ist es auch nicht möglich hier vorbeugend etwas zu unternehmen.

    Die Sohlen der EQFU haben noch das beste Profil von allen bisher getesteten Systemen, nur was nutzt das? (Ich habe leider versäumt exakt festzuhalten welchen Schuh ich auf welchem Bein wie lange drauf hatte aber da sie alle gleich aussehen, teilweise ausgefallen waren und repariert werden mussten und ich 6 Stück hatte - dennoch, Schande über mein Haupt).

    Fazit (15.Mai): Der EQFU-allterrain-jogging Schuh ist, so wie er angeboten wird, für den harten Einsatz unbrauchbar und eindeutig durchgefallen. Die klettbaren Laschen innen überlappen sich und an der Stelle ist ein Absatz. Die äußere Verschlusslasche soll über die inneren und damit auch über diesen 5mm-Absatz geklettet werden, aber da wo der Absatz ist halten sie nicht zu. Dadurch steht die äußere Lasche am Rand immer offen und Schmutz kommt nach innen und danach stehen sie noch weiter offen usw. Das Sicherungsband läuft von der unteren inneren Klettlasche durch einen vorne angenähten Ring und wird über die äußere innere Klettlasche geklettet. Es hat oben eine Schlaufe womit man den Klettverschluss nach unten, an die Zehe ziehen kann (ohne dieses "Zehenband" würde der Hufschuh nicht am Fuß halten). Da, wo der Huf vorne an den Ring stößt kommt es unweigerlich zu Reibung und Durchscheuern des Sicherungsbandes. Ist das Band komplett durchgescheuert, muss man ein neues annähen (woher bekommen?) oder den Schuh entsorgen, denn austauschbar ist hier nichts. Das Sauberhalten des Schuhes ist schwierig. Trocken wiegt er in einer kleinen Größe 300g, nass ist er sehr viel schwerer und auch eklig denn, kann er zwischenzeitlich nicht trocknen, fängt er an zu stinken. Bei längeren mehrtägigen Ritten und schlechtem Wetter sind die Schuhe permanent nass, schwer und verdreckt - sie scheuern an allen Hufen im Bereich oberhalb der Ballen und Casanova läuft deutlich schonend. Am schlimmsten empfinde ich die Unsicherheit beim Reiten in Matsch und Dreck, da der Schuh am Bein oben relativ offen ist und der Matsch immer oben in die Schuhe hineinläuft und dann, wenn kleine Steinchen, Hölzchen, oder was auch immer mit hineingeraten, diese scheuern. Dies bemerkt man erst beim Ausziehen und das kann dann, nach 5 Reitstunden, schon viel zu spät sein und eine große blutige Schürfwunde verursacht haben. Das ist nicht im Sinne der Hufgesundheit!

    Insgesamt kann der EQFU-Joggingschuh der vollmundigen Werbung nicht gerecht werden! Für Schritt und maximal Trab-Ausritte auf sauberem Grund mag es gehen, alles andere kann man vergessen! Er ist allerdings als Ersatzhufschuh für unterwegs bis auf sein recht sperriges Packvolumen, als Zwischenlösung in der Umstellungsphase auf Barhuf (bis die Hufe ihre natürliche, endgültige Form haben) oder als 24-Stunden-Hufschutz bei ausgebrochenem Horn für eine begrenzte Zeit gut geeignet aber nicht als Dauerlösung beim Geländereiten!

    Der Bluterguss am äußeren Ballen der rechten Vorhand und der Blutschorf am inneren Ballen (Fotos), den er seit gestern hat sprechen eine klare Sprache. Ich brauche schleunigst andere Schuhe, auch für vorne, denn so kann ich nicht mehr reiten und ich kann das weitere Scheuern nicht verhindern. Der Schuh hat die richtige Größe aber auf Grund seiner Konstruktion ist eine Benutzung unter Dauerbelastung nicht mehr möglich. Hinten habe ich seit einer Woche schon was Neues (Renegades), die habe ich jetzt für vorne auch bestellt. Diese Scheuerstellen hatte er an drei von 4 Hufen und sie haben 1 Monat gebraucht um abzuheilen. Da sie im Bereich der Fesselbeuge liegen bildet sich durch die Hufbewegung Blutschorf, der immer wieder aufreißt und dadurch dicker wird, wieder reißt usw.. 

    Man muss sich überhaupt fragen was eine Firma, die 4 verschieden Hufschuhtypen, die sich aber vom Prinzip her nur marginal unterscheiden, auf den Markt bringt, dabei denkt. Wahrscheinlich das Märchen vom: "Hält der Hufschuh nicht am Huf dann ist nicht der Hufschuh untauglich sondern es ist der Falsche für dieses Pferd". Hat man alle 4 Typen durchprobiert, denn anders könnte man nicht herausfinden welche auf Dauer funktionieren, dann ist man ca. 1700 Euro ärmer, aber u.U. nicht schlauer. Einzige Gewinner an der Sache sind Hersteller und Händler.



    Hufschuh “easyboot new trail”
    Oktober 2016


    Da jetzt auch für die hinteren Hufe Schuhe fällig werden, die Duplos halten nach 6 Wochen keine Woche länger, starte ich den nächsten Versuch mit dem “New Trail”. Der scheint einen besseren, (da geschlosseneren) Verschlussmechanismus zu haben und die gleichen Eigenschaften in Sachen unregelmäßiger bzw. ungewöhnlicher Hufform und bei Hufen in der Umstellung auf Barhuf! Er wirkt sehr breit, scheint sehr stabil zu sein und hat eine festere Sohle als der EQFU. Der Verschlussmechanismus ist sehr gut durchdacht, kann weniger leicht verschmutzen da er sich nicht öffnen kann.



    Der Schuh ist vorne außen fester, geschlossener und im hinteren Bereich wesentlich stabiler da es eine dreifache Sicherung gibt. Innen ist er dennoch sehr weich gepolstert, das Material macht einen guten Eindruck. Vorne hält er bisher sehr gut, es gibt keine Scheuerprobleme. Hinten hält er bisher auch - aber ich habe ihn noch nicht so oft hinten benutzt. Bisher dreht keiner der easyboots, weder vorne noch hinten, obwohl auch hier der Größensprung Länge (2) zu Breite (1), also eine ganze Größe ausmacht. Dadurch, dass der Schuh relativ breit ist kommen sie beim Laufen manchmal aneinander und das könnte sie auf Dauer zerstören. Da es nur gleiche Boots gibt muss man einen Hufschuh umbauen, so dass der oben rechts sichtbare Metallring immer innen ist. Dann soll sich die Reibung in Grenzen halten. Das macht auch Sinn, da auf der anderen Seite das Verschlussband wesentlich dicker ist und aufträgt. Auch kann man das Klettaussenband nachkaufen.

    Der “New Trail” kostet, obwohl er stabiler und durchdachter ist, sogar 10% weniger als der EQFU! Allerdings - Heute, beim dritten oder vierten Galopp hat sich der hintere Schuh verabschiedet - ist in die Pampa geflogen und nicht mehr wiederauffindbar gewesen. Dadurch, dass er so rund ist rollte er eben auch und in dem steilen Gelände ist er wohl den Berg hinuntergehüpft und ich hatte nicht wirklich eine Chance ihn wiederzufinden. Habe jetzt mein Pony wieder hinten beschlagen lassen - das wird mir im Moment zu teuer.... Braucht jemand einen einzelnen Easyboot NewTrail Größe 2?

    Fazit: Ich finde den Hufschuh zu schwer und zu klobig! Er mag bei kranken Hufen, ausgebrochenen Hufrändern, unregelmäßigen Hufformen, temporär nützlich sein, aber sicher nicht als Dauerlösung und schon gar nicht bei häufigen Galoppaden.

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    Easyboot glove
    Februar 2017


    Jetzt habe ich scheinbar endlich den optimalen Hufschuh gefunden, der auch hinten hält. Er übersteht auch die arabertypischen Schnellstarts (von null auf 40 Stundenkilometer in 4 Sekunden mit hinten "durchdrehenden Rädern" ;), scharfe Kurven im Galopp, Modder, Gestrüpp und und und). Habe sie jetzt hinten 3 Wochen drauf und noch nie haben sie sich auch nur minimal bewegt. Das Gute ist: sehr wenig Material, sehr leicht, sehr schmal, keine Reibung egal wo. Einzig das Anziehen ist gewöhnungsbedürftig. Dadurch, dass sie so eng sitzen müssen ist es ein wenig fummelig und dauert bis man die richtige Technik raus hat.



    Dieser Hufschuh vereint eigentlich alles was man sich wünscht. Er besteht aus Hartgummischalen die sehr eng, aber etwas verformbar sind. An diesen Schalen ist eine Manschette angeschraubt, die oben um die Fessel geht und mit einem minimalistischen Klettverschluss hält, das aber wirklich!

     


    sitzt perfekt und trägt nicht auf, schützt gleichzeitig die Ballenregion vor Verletzungen an Felskanten/Treppen



    Sie müssen perfekt passen und eng sitzen. Dazu gibt es zur Anpassung ein Fit-Kit (ausleihbar gegen geringe Gebühr). Das sind drei Schalen benachbarter Größen. Das heißt man misst den Huf und bestellt sich ein Fit-Kit in der gemessenen Größe nach Tabelle. Man erhält zusätzlich eine kleinere und ein größere Schale (insgesamt 3). Dann zieht man diese nach dem frisch Beschneiden der Hufe über - sie sollen eng sitzen und der Spalt vorne soll sich leicht zu einem V dehnen. Ich habe das so gemacht. Laut Easycare darf man sich niemals auf die gemessene Größe verlassen sondern muss mit dem Fit-Kit testen

    Als dann die Hufschuhe kamen, habe ich sie allerdings nicht anziehen können da viel zu eng. Mit den angeschraubten Manschetten sind sie einfach um einiges steifer und viel schwerer anzuziehen als wenn man nur die Schalen testet.

    Also nächste Größe bestellt, das war die gemessene, und es geht. Da sie jetzt etwas weit (vorne nicht gedehnt) saßen, habe ich die roten Plastikstreifen montiert. Die werden empfohlen bei nicht ganz passenden Hufschuhen und vor Allem für längere Ritte - nennen sich "powerstraps". Sie haben dazu noch den Vorteil farbig zu sein (viele Farben). So kann man evtl. abweichende Hufschuhe vorne/hinten einfach markieren und man kann sie beim Reiten vom Sattel aus leichter sehen!

    Die gloves gibt es in Größenabständen von nur 3 mm Unterschied! Anfänglich war das Anziehen sehr mühsam, die Hufe, da noch die Löcher vom Nageln da waren, hakten leicht an den engen Schalen, der hintere Neoprenrand der Manschette steht etwas noch innen über und hakt am rauhen Huf hinten, die Manschette klemmt sich ein - ich war schon am Verzweifeln, aber nach einigen Tagen und etwas Nachfeilen der Hufränder und der Trachten, habe ich es dann hinbekommen. Jetzt geht es recht einfach, auch das Ausziehen war anfänglich schwer aber nach 2 Wochen haben wir es gut raus!

    Wichtig beim hinteren Huf ist, dass man das Bein nicht nach hinten sondern nach vorne hochnimmt, dann ist der Huf gestreckt und nicht stark abgewinkelt und die Schalen lassen sich viel besser überziehen! Vorne ist es eh viel einfacher!

    Erstes Fazit: Perfekt - keinerlei Beanstandungen

    Jetzt kommt der Langzeittest - wie lange halten Sie, gibt es Veränderungen?

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    Ende März 2017

    So - jetzt hat mein Pony auch diesen Hufschuh an seine Grenzen gebracht. Wenn es nicht so teuer wäre könnte man ja darüber lachen....

    Wie passiert? - Galopp mit Handpferd - Fahrradfahrer 1 km voraus - Pony hat wohl gedacht den kriege ich noch, hat weder auf den Reiter gehört noch auf das Handpferd Rücksicht genommen. Ersterer hing mit aller Kraft in den Zügeln, keine Chance, letzteres musste ersterer irgendwann, als die 13m-Grenze der Longe erreicht war, gehen lassen. Tja das sind die Frühlingsgefühle, ist immer das Gleiche mit meiner Rennsemmel. Jedenfalls war die Seitenbelastung in einer 90-Grad-Kurve im vollen Galopp für die Schalen der easyboot gloves grenzwertig und die Schrauben sind ausgerissen. Im Stall habe ich das erst gemerkt, die Hufschuhe hingen aber noch an den Beinen, also die Manschetten haben gehalten, wenn auch ein bisschen an einer Naht eingerissen..

    Das Ganze sah dann so aus:



    Bei beiden Schuhen sind die linken Verschraubungen durch die Seitenbelastung ausgerissen. Ich dachte mir, bevor ich die Schuhe wegwerfe (knapp 200
    Euro ?!) versuche ich die Verschraubungen zu verstärken. Ich weiß nicht ob es hält da ich ja die Risse im Plastik nicht wirklich flicken kann.

    Also Ersatzschraubensets und neue Powerstraps für vorne bestellt  damit 2 Schrauben Platz haben (40 Euro mit Porto). Nach der Reparatur sah es dann so aus.


    Sieht gut und stabil aus - nach 2 Wochen keine weiteren Probleme


    April 2017

    Leider wieder eine Enttäuschung. Die easycare gloves haben sich nach gut 10 Wochen Benutzung DEUTLICH geweitet. Sie sind mindestens eine Nummer größer geworden (laut Herstellerangaben ist das nicht möglich - haha), überall wo die Schrauben sitzen sieht man eine deutliche Beule nach außen und als Folge davon halten sie nicht mehr. Pony schlüpft öfter raus, vor allem bei den oben beschriebenen Quickstarts. Die Schuhe gehen zwar dann nicht verloren da die Manschette sie am Bein hält aber dabei wird diese natürlich erheblich in den Nähten belastet. Erst dachte ich es liegt an der kürzlich vorgenommenen Hufbearbeitung, aber die Hufgröße hat sich dabei definitiv nicht geändert. Das Maß der Hufe entspricht immer noch der verwendeten Hufschuhgröße. Am Osterwochenende dann war es zu viel. Nach dem vierten Mal rausschlupfen ist die rechte Manschette halb abgerissen und ich musste sie abnehmen und die letzten 18 km ohne Schutz reiten. Ziehe jetzt hinten vorübergehend auch EQFU an.

    Fazit - Leider erfüllt auch dieser Hufschuh seinen Zweck unter Belastung nur 2 Monate lang, was eindeutig zu wenig ist. Auch der Profilabrieb der Sohle scheint mir wesentlich höher zu sein als beim EQFU, was wahrscheinlich durch einen anderen Härtegrad des Kunststoffes verursacht wird. Er scheint härter zu sein als der des EQFU. Nach 2 Monaten Benutzung würde er vielleicht noch 2-3 Monate halten, aber die Spitze des Schuhes scheint sich durchzulaufen!
      


    ca 10 Wochen auf der Hinterhand - mindestens 30-35 Wochen sollte er meiner Meinung nach halten um einigermaßen akzeptable Kosten zu haben - er ist vorne schon sehr weit abgelaufen

    Selbst 4-5 Monate wären zu wenig! (siehe meine Kostenkalkulation) Man muss sich ja auch bewusst machen, dass ein Schuh, der bloß 2-3 Monate hält, bei einem längeren Ritt ein hohes Ausfallrisiko darstellt und man genötigt ist, immer mehrere Ersatzschuhe am Pferd mit sich zu führen. Das ist ja auch ein Gepäckproblem. Ein Ersatzeisen und Nägel (ein Hämmerchen reicht ja einmal pro Gruppe) sind schnell irgendwo verstaut aber klobige Hufschuhe(?) - die nehmen einfach sehr viel Stauvolumen in großen Packtaschen in Anspruch.

    Hier noch ein paar abschließende Bilder:

     
    nach 10 Wochen auf der Hinterhand
    Im linken Bild sieht man die Manschette von innen, ein bisschen ausgefranst (das Innenfutter ist nur schlecht geklebt),
    in Höhe der Ballen wird sie sich vermutlich irgendwann durchscheuern -
    Im rechten Bild die Verformung der Hufschale. Sie ist deutlich geweitet, der ursprüngliche Verlauf ist gelb angedeutet

    Ich versuche jetzt diese 2 Hufschuhe, durch 3 Lagen Klebeband rechts und links, innen etwas kleiner zu machen, dann könnte ich sie zumindest als Notfall-Ersatz auf längeren Mehrtagesritten mitnehmen, denn sie lassen sich relativ klein zusammenfalten, so dass sie nicht so viel Packplatz wegnehmen.

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    Mai 2017

    Meinen nächsten Versuch um die perfekten Hufschuhe zu finden (ich gebe nicht so schnell auf) starte ich mit den

    Renegades, von denen ich bisher aus verschiedenen Benutzerquellen nur sehr Positives gehört habe. Es sind sogenannte "Sandalenschuhe" die nur bei Pferden mit geraden Hufwänden und niedrigen Trachten (auch untergeschobene Trachten) halten. Wobei das Niedrighalten der Trachten nach dem "natural hoof care" sowieso den gesünderen Huf hervorruft - eben so wie in der Natur!

    Ich habe die "alte" Version der Renegades bestellt da die neuen "Viper" mich nicht überzeugt haben und ich keinerlei Erfahrungsberichte darüber gefunden hatte. Bei den alten Renegades ist alles austauschbar, auch das Ballenpolster und sie sollen angeblich sehr lange halten. Die Viper haben eine andere (weichere) Kunststoffmischung, ein etwas höheres Sohlenprofil, der Ballenhalter ist geschlossen und das Ballenpolster ist eingeklebt. Ob das besser oder schlechter ist kann ich nicht beurteilen.

     
    der Renegade-Hufschuh nach einer Woche Benutzung. Das Zehenklettband hat bei ca. 4cm Überstand noch/erst die maximale Klettfläche


    Die Renegades kosten etwa 108 Euro und werden nur paarweise verkauft obwohl sie völlig gleich sind. Lediglich die Klettbänder sind asymmetrisch eingezogen. Sie bestehen aus einer Kunststoff (PU) Schale mit stabilen Seitenwänden, ca.6 mm dicker Sohle, darauf ein, der Form des Pferdehufes nachgeahmtes 5mm hohes Profil mit angedeutetem Strahl.

    Sie wiegen neu in der Größe 00 (Hufbreite bis 106mm, Länge bis 120mm) ca. 330g, in der Größe 0 (Hufbreite bis 116mm, Länge bis 127mm) wiegen sie 350g. Der Kunststoff ist sehr hart, zumindest im Verhältnis zu den oben beschriebenen Systemen. Ob das für eine schnellere Abnutzung oder für eine längere Haltbarkeit spricht ist mir noch nicht ganz klar. Bisher scheint eine härtere Mischung auch mehr Abrieb zu erzeugen als eine weichere, elastischere, vielleicht weil eher größere "Fetzen" aus dem Material gerissen werden als bei elastischeren Sohlen. Allerdings hängt das sicherlich stark vom Bewegungsablauf und dem Untergrund ab. Ich kann hier nur für mich und mein Pferd sprechen und bin mir auch noch nicht sicher ob die Zusammenhänge Härtegrad-Abnutzung sich so verhalten oder ob es einen anderen kausalen Zusammenhang gibt. Theoretisch denke ich, dass ein Material, so elastisch wie ein Autoreifen, als Sohlenmaterial optimal, für das Gehäuse des Schuhes jedoch zu weich wäre. Siehe hier auch meine Erfahrungen mit dem easyboot glove! Der ist "gefühlt" härter als die Sohle des EQFU aber weicher als der Renegade.

    Die Hufschale ist hinten offen und im Zehenbereich 2-fach geteilt, damit sie sich verschiedenen Hufformen anpassen kann. Gehalten werden sie durch einen korbähnlichen gepolsterten Ballenhalter, der mit der Hufschale durch je ein etwa 2mm starkes Stahlkabel rechts und links verbunden ist und durch einen Fesselriemen (auch Klett mit weichem Polster) gegen Runterrutschen gesichert ist. Dies soll dem Hufschuh Flexibilität verleihen da der Ballenhalter jede Bewegung und Neigung des Hufes flexibel mitmachen kann. Zum Anziehen klappt man den Ballenhalter unter die Sohle und schiebt den Huf in die Schale, richtet ihn mittig aus, klappt den Ballenhalter hoch und spannt ihn nach vorne.

    Gespannt werden die Renegades durch ein Zehenklettband, welches die Kabel verkürzt und damit den Ballenhalter an die Hufschale nach vorne zieht. Diese Kabel haben am einen Ende je eine Rolle durch die das breite und sehr stabile Klettband läuft, von dort werden sie nach hinten über 2 Umlenkrollen im Ballenhalter nach vorne gelenkt und mit dem anderen Ende durch eine Kabelklemme an der Front des Schuhes geführt und mit 2 Madenschrauben mit winzigem Inbus fixiert. Sie haben an den Seiten eine Markierung wodurch man die Schuhe in gewissem Rahmen anpassen kann. Angeblich soll es so sein, dass nach einigem Benutzen die Inbus-Schrauben durch feinen Schmutz festsitzen und sich nicht mehr lösen lassen. Man sollte die Kabel also so früh wie möglich in der richtigen Position fixieren. Sollte man sie später, z.B. bei Hufveränderungen neu einstellen müssen und sie festsitzen, dann muss man die Kabel durchschneiden und komplett austauschen. 2 Spannkabel kosten etwa 22 Euro plus die Kabelklemme mit Madenschrauben für 11 Euro, also ca 33 Euro pro Schuh, 66 Euro für ein Paar - nicht wenig.

    Allerdings ist das "Festsitzen" meiner Meinung nach kein Festsitzen des Gewindes, sondern ein Blockieren des feinen Sechskantloches in den Madenschrauben, so dass der Inbusschlüssel nicht tief genug hinein kann und in Folge dessen beim Drehen dann nicht greifen kann und rund wird. Ich habe das auch bereits nach 2 Tagen Benutzung bemerkt. Erst mit einer feinen Nadel, dann mit einem Dorn im Loch herumgestochert, ausgeblasen oder gewaschen und schon ging es wieder. Der Inbusschlüssel muss sich jeweils 2-3mm tief in das Sechskantprofil einstecken lassen!


    hier sieht man ihn von innen mit heruntergeklapptem Ballenhalter (links) und den Umlenkmechanismus,
    der den Ballenhalter beim Spannen des Zehenriemens an die Hufschale zieht (rechts) - die Schraube muss regelmäßig kontrolliert werden!

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    links sieht man die Markierung des Kabels (grau/blau) und die Noppen an der Hufschale (5 Stück) = mittlere Einstellung
    auf dem rechten Bild erkennt man, dass bei dieser Einstellung der Ballenhalter bzw. das Ballenpolster bereits an den Ecken an die hintere Hufschale anstößt und nur schlecht nach unten geklappt werden kann (hier: kleinste Größe =00)

     

    Die Anpassung, durch Verkürzen der Kabel ist keine wirkliche. Man kann die Kabel etwa um jeweils 4cm verkürzen um die maximale Längenausdehnung nach hinten zu begrenzen, jedoch ist schon bei mittlerer Einstellung ein Wegklappen des Ballenhalters unter die Sohle nur noch schwer möglich. Würde man die Kabelmarkierung in die vorderste, engste Position bringen wäre das Wegklappen zum Anziehen des Schuhes (bei der Größe 00) unmöglich da er hinten an den kompletten Rand der Sohle stößt. Dies ist ein großer Nachteil und nur möglich wenn die Schuhsohle hinten gekürzt wurde. Man kann die Länge der Sohle nämlich hinten um bis zu einen Zentimeter kürzen! Das ist besonders bei vorne verwendeten Schuhen sinnvoll wenn die benötigte Breite des Hufschuhes eine Größe erfordert die dann zu lang ist und hinten zu weit übersteht - das Pferd würde sich die vorderen Schuhe dann leicht abtreten können.

    Ich habe vor dem Kauf die sehr ausführliche Rezension von Manuela Volk gelesen. Ihre sehr informative Webseite hier: www.go-barhuf.de. Der Bericht ist allerdings nicht auf ihrer Seite sondern nur noch hier, auf der Seite www.der-hufpflegeshop.de (oder hier) verfügbar. Die Rezension beschreibt sehr ausführlich die Eigenschaften der Renegades, weist aber auch ein paar "schöngeredete" Unstimmigkeiten auf, wie ich schon nach dem ersten Austesten feststellen musste. Eine Unstimmigkeit ist die Anpassungsfähigkeit durch das Nachjustieren der Kabel (Anpassen hört sich immer gut an). Dann noch Zitat Manuela Volk: "Der Renegade® ist der erste Hufschuh, bei dem mir in acht Monaten durch die Ritte nichts kaputt ging!!" (ok kann sein, das hängt halt von Kilometerleistung und Gelände ab) und "Nach fünf Monaten war vom Profil nicht mehr viel vorhanden, der Abrieb setzte sich aber nicht weiter fort." (Das möchte ich bezweifeln da es technisch nicht möglich ist) siehe meine Erfahrungen weiter unten. Und den Eindruck zu erwecken der Renegade sei für den Distanzsport geeignet (was er sicherlich ist) jedoch nach 7 Tagen a 115km ist er dann wohl durchgelaufen - das ist schon etwas vermesssen! Aber wer so etwas (Distanzrennen) macht scheut sicher keine Kosten und kann auch nach jedem Enduranceturnier die Hufschuhe entsorgen. So sind sie dann schon geeignet, halten aber nicht lang....

    Zur Anpassungsfähigkeit des Renegade: Man kann jedoch den gleichen Effekt wie das Nachjustieren der Kabellänge auch durch stärkeres Spannen des Klettbandes erreichen, wobei dann allerdings das Klettband am Ende weiter übersteht. Dieses Nachjustieren hat einzig den Sinn, ein zu starkes Überstehen des Klettbandes zu verhindern, die maximale Klettfläche zu erhalten aber auch den oben beschriebenen großen Nachteil, der ein Nachjustieren, zumindest bei der kleinsten Hufschuhgröße, unmöglich macht. Aber das muss ja nicht unbedingt ein Hinderungsgrund für das Verwenden der Hufschuhe sein.

    Das Klettband hält bei 4cm Überstand am Besten da sich dann die optimalen Klettflächen gegenüberliegen. Die Klettbänder sollen beide am Ende durch Gummiringe geführt werden (Auslieferungsmäßig sind dort 2 Gummiringe vorhanden - eine größere Menge Ringe werden als Ersatz mitgeliefert). Das Durchziehen durch die Ringe ist äußerst fummelig, besonders bei größerem Überstand, da die Ringe stark gedehnt werden müssen um ein "Kleben" des Bandes beim Durchziehen zu verhindern. Man kann die Klettbänder nach hinten umlegen, den Gummiring lupfen und das umgelegte Klettband dann unter dem Ring durchschieben. Der Klett hält allerdings auch ohne diese Sicherung recht gut - lediglich bei Laufen durch Unterholz könnte sich das Band lösen. Eine weitere Verstellmöglichkeit ergibt sich durch die Befestigung des Klettbandes an der Außenschnalle. Dort kann man es einfach ein kleines Bisschen enger (max. 1cm) festkletten. Auch das funktioniert gut. Außerdem geht der Schuh auch nicht gleich verloren wenn sich das Zehenklettband lösen sollte.

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    auf dem linken Bild sieht man die Kabelklemme an der Front mit der die Kabel fixiert werden. Das Loch dient zum Umklappen der Klemme, danach kommt man an die Madenschrauben an der oberen Seite - ich habe die Einstellung nicht verändert
    auf dem rechten Bild das Sohlenprofil von 5-6mm


    Der erste Test auf der Hinterhand: Habe die Schuhe nach Anleitung eingestellt und angezogen. Ballenhalter unter die Schuhsohle klappen, Huf hineinstecken, mittig ausrichten (die Sohle steht bei der von mir verwendeten Größe 00 hinten ca 2-3 mm über die Trachtenenden, die allerdings leicht rund gelaufen sind) Ballenhalter hochklappen, den Fesselriemen schließen, so dass ein 2 Finger breiter Abstand zum Fesselbein vorhanden ist, Zehenriemen "mit Gefühl" spannen damit der Zehenriemen und die Schuhschale im Zehenbereich leicht am Huf anliegen! 

    Erster Ausritt nach 2 Tagen Pause: Alles lässt sich erst mal gut an. Casanova läuft frei und sowohl im Trab als auch im Galopp wie gewohnt. Dann auf dem Nachhauseweg auf einer unserer Rennstrecken beim zweiten Quickstart - flopp flopp. Ich hab' gemerkt, dass da wahrscheinlich was nicht in Ordnung ist, aber konnte/wollte nicht sofort anhalten. 3 Kurven weiter dann geschaut und das übliche Spiel - beide Schuhe weg. Also zurückreiten und suchen. Der eine Hufschuh lag völlig unbeschädigt und komplett geschlossen auf dem Weg, der andere erst mal nicht. Nach einigem Suchen habe ich ihn dann in der Nähe, hinter einem Baum liegend gefunden. Beide Hufe sind einfach durch das geschlossene Fesselklettband gerutscht. Vielleicht habe ich die Spannung des Zehenriemens mit etwas zu wenig Gefühl vorgenommen und sind 2 Finger Abstand des Fesselsicherungsbandes dann doch zu viel?

    Am nächsten Tag dann den Zehenriemen fester geschlossen (Überstand Klettband ca. 3-4cm - gestern 0,5cm), Fesselband leicht anliegend geschlossen. Hat alles gehalten, allerdings waren es nicht so viele Galoppaden. Nach dem Ausziehen keine Rötung, kein Druck und keine Scheuerstellen erkennbar - aber es war  auch nur ein kurzer Ausritt (6km). Der Hersteller sagt, dass man die Spannung individuell testen muss um die richtige Einstellung zu finden - das ist wieder eine der besonders hilfreichen Bemerkungen !?

    Jetzt nach einer Woche des Austestens bin ich überzeugt davon, dass diese Schuhe in jeder Situation halten werden und habe mir für vorne auch ein Paar bestellt. Da die vorderen Hufe jetzt seit 8 Monaten barhuf sind hat sich die Größe leicht verändert. Sie sind etwas breiter als die hinteren, dadurch brauche ich die nächste Größe (=0), die dann aber zu lang sein wird. So kann ich dann auch das Kürzen der Hufsohle testen/beschreiben.


    Das war die Schlamm-Challenge - im aufgeweichten Waldboden mussten wir umgefallene Bäume umreiten und durch festes Unterholz



    nach einer Weile war der Dreck dann wieder weg - später noch durch eine feuchte Wiese und fast alles ist sauber
    schön ist, dass diese Schuhe sich nicht vollsaugen können, so trocknen sie viel schneller!

     

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    Den Zehenriemen spanne ich relativ fest. Der Fesselriemen hat tatsächlich scheinbar keine Haltefunktion, ich mache ihn wieder locker fest da ich denke, dass, wenn der Schuh abreißen sollte, es besser ist er kann auch durch den Fesselriemen rutschen. Ist dieser zu eng würden die Schuhe in diesem Fall an den Beinen hängen und hin und her schlagen - was sicher weder gut für die Beine noch für die Schuhe ist. Besser der Huf rutscht komplett raus.

    Ich habe heute auch für vorne die Renegades erhalten. Da der Huf die Länge nicht verändert hat ist der Hufschuh in Größe 0 jetzt zu lang und ich musste ihn hinten um einige mm kürzen um ein Eintreten in die vorderen Schuhe zu verhindern - mein Pony hat relativ lange Beine und tritt weit nach vorne unter, besonders im Trab hat er sich früher immer die vorderen Eisen runtergetreten wenn sie zu weit überstanden.

    Das Kürzen geht relativ einfach vonstatten wenn man eine Bügelsäge mit Metallsägeblatt verwendet. Danach die Kanten schön rund feilen und die Kabel etwas nach vorne verstellen, da sonst das Zehen-Klettband bei den verhältnismäßig kurzen Hufen, noch weiter als 4 cm übersteht. Mit einer Hufbearbeitungszange, wie Manuela Volk in Ihrem ausführlichen Bericht schreibt, habe ich das 11 mm starke Material noch nicht einmal anritzen können. Sie muss tolle Muskeln haben ;)

    Bei dieser Größe (0) ließ sich übrigens der Ballenhalter bei der Mittelstellung der Kabel leicht unter die Sohle klappen. Das Problem betrifft scheinbar nur die kleinste Größe 00. Bei dieser habe ich jetzt die Ecken der Sohle hinten etwas abgeschrägt und dann geht es auch easy.

    Jetzt allerdings gibt es ein neues Problem: Dadurch, dass der Hufschuh vorne, wegen der Hufbreite, eine Nummer größer und dabei deutlich (10mm) breiter ist, hat der Huf im hinteren Bereich sehr viel Spiel. Auf beiden Seiten ist ein deutlicher Spalt zwischen Hufwand und Huf vorhanden (je ca. 5mm). Obwohl der linke Huf beim Anziehen mittig ausgerichtet, das Zehenklettband ordentlich zugezogen wird, dreht er deutlich.



    Die Sohlenschale dreht so lange, bis die Schalenwand die Drehung stoppt (hier ist die Mitte um ca. 12mm versetzt)


    Nach einigem Nachdenken (es dreht nur der linke Schuh (?), der rechte bleibt mittig obwohl die Maße gleich sind) und genauerem Hinschauen (!) sehe ich dann die Ursache: Der linke vordere Huf ist asymmetrisch deshalb dreht der Schuh so lange bis er mittig ausgerichtet ist oder von der hinteren Schuhwand gestoppt wird. Die Ursache ist auch schnell klar: hier Jedenfalls ist es kein Hufschuhmangel. Dieser hält, auch im gedrehten Zustand jeden Galopp und jede Kurve aus - genial! 

    Nach dem Ausschneiden der Hufe Ende Mai ist die Asymmetrie des Hufes im Sohlenbereich verschwunden aber der ganze Huf ist noch nicht gerade, das muss jetzt langsam rauswachsen. Dadurch dreht der Hufschuh immer noch leicht, aber nicht mehr so heftig. Durch das Kürzen der Hufe haben sich die Maße wieder leicht verändert. Er hat jetzt (L/B) 120/112 mm. Dadurch ist die Größe 0 ein bisschen zu groß aber in Größe 00 passt er nicht rein und man kann ja davon ausgehen, dass der Huf durch das Wachstum wieder breiter wird. Erst hatte ich Bedenken mit den, nun zu großen, Hufschuhen zu reiten aber, zumindest an der Vorderhand, halten sie dennoch gut.

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    Update 19.Juni 2017

    Es gibt immer noch keine Probleme, auch nicht nach dem gerade zurückgelegten Eifelritt mit effektiven 200km Reitstrecke. Allerdings geht Casanova seit dem Ausschneiden sehr fühlig und sucht, trotz Hufschuhen immer die weichen, grasbedeckten Flächen. Auf Teerstraßen hat er kein Problem, auf abgemähten Wiesen schießt er los wie immer. Diese Fühligkeit bezieht sich ausschließlich auf Schotter-/harte Untergründe mit kleinen Steinchen obenauf. Das Ausschneiden Ende Mai hat dazu geführt, dass er jetzt vorne wieder fühlig reagiert. Ich hatte die viel zu langen Trachten an der Vorderhand kürzen lassen damit die Renegades besser halten können - nach dem "natural Hoofcare" soll die Trachtenlänge 1-3 cm sein, für die Renegades werden max. 4 cm empfohlen. Casanova hatte hinten 2,5 cm und vorne 4,5 cm (vor dem Ausschneiden), dadurch spannte sich der Ballenhalter gegen die Zehenschale meiner Ansicht nach etwas zu stark, auch der Winkel (Ballenhalter zu Hufschale) war zu groß was dann zu hohe Druckbelastung an der Ballenoberseite erzeugen könnte und der Ballenhalter könnte abrutschen (tat er aber nicht).

    Zudem ist ja die vordere linke Sohle von Ende März bis Ende Mai (9 bis 11 Monate nach dem Bluterguss im Huf durch Vernageln) komplett abgegangen und eine Hornschwiele muss sich da erst wieder aufbauen, da war es naheliegend gleich die Huflänge an das optimale Maß anzunähern. Beim Kürzen des Hufes wird natürlich nicht nur die Trachtenlänge angepasst sondern auch die Zehenlänge muss gekürzt werden damit der Winkel weiterhin stimmt. Dadurch wird auch eine evtl. schon vorhandene Hornschwiele dünner und bei meinem Sensibelchen ....  Aber es geht und er war ja eigentlich schon im Januar/Februar (nach 6 Monaten barhuf) durch die Fühligkeit durch. Dass die Trachten vorne für die Renegades und auch generell zu lang waren hat mein Hufschmied (und auch ich) nicht gewusst. Man lernt halt nie aus!

    Das Drehen des linken vorderen Hufschuhes ist immer noch vorhanden aber er hält dennoch und  es scheint keine wirkliche Auswirkung auf den Schuh zu haben - evtl. läuft er sich leicht schief ab, das ist jedoch auch bei anderen Hufen teilweise so, denn die meisten Pferde laufen nicht exakt über die Hufspitze. Verletzungen aber insbesondere anatomische Eigenarten bewirken, wie auch beim Menschen, dass nicht ganz korrekt gelaufen wird.  Ein Tauschen der Hufschuhe (rechts/links) ist daher alle paar Wochen sehr sinnvoll! Bei Eisen merkt man da nichts denn die werden nach 8 Wochen weggeworfen aber bei Hufschuhen muss man das besonders im Auge behalten.

     

    Zur Abnutzung nach ca. 300 km und 4/5 Wochen (v/h)

     

    Die Renegades nach ca. 300km / 5 Wochen
    links: ein hinterer Hufschuh #00 (rechts=ehemalige Außenseite)  -  rechts: ein vorderer Hufschuh #0 (links=ehemalige Außenseite)
    jeweils im Abrollbereich außen (auf dem Bild sind die Schuhe bereits rechts/links getauscht) stärker abgelaufen

     

    Details: linkes Bild hinten (rechts= außen) - rechtes Bild vorne (links = außen)

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    Wie erwartet, nutzen sich die harten Renegade-Sohlen relativ heftig ab. Besonders im vorderen Bereich der hinteren Schuhe sind jetzt nur noch etwa 1-2mm (von neu 5mm) Profil vorhanden. Der hintere Hufschuhbereich hat noch wesentlich mehr Profil. Ich habe jetzt rechte gegen linke Schuhe getauscht um Zeit zu gewinnen (dazu müssen nur die Klettbänder um montiert werden - sie sollten immer außen sitzen) um die seitliche Abnutzung etwas zu egalisieren. Wenn der Abrieb vorne das Sohlenniveau erreicht hat muss ich die Renegades vermutlich neu besohlen lassen!

    Meine Bedenken, dass der unnatürliche Druck, der beim Beschleunigen auf die Ballen übertragen wird, sich auf Dauer schädlich auswirken könnte, auch wenn die Ballenhalter sehr gut gepolstert sind, ist scheinbar grundlos. Nach den 300km bisher ist davon nichts erkennbar. Die Scheuerstellen oberhalb der Ballen, die von den EQFU herrühren, haben sich zwar als sehr hartnäckig herausgestellt, da ein Abheilen in der Fesselbeuge durch die Bewegung des Hufes behindert wird und sich ein Schorf bis zu 4 Wochen gehalten hat. Bis zu 2 Monaten danach sind noch leichte Verhornungen zu spüren. Diese liegen allerdings 1-2 cm oberhalb des Renegade Ballenhalters und berühren diesen in keiner Hufstellung.

    Update 12.August 2017

     

    Auch nach einer Nutzungsdauer von 3 Monaten habe ich noch nie einen Renegade-Hufschuh verloren. Jetzt sind allerdings bei meiner  intensiven Nutzung erste Schäden aufgetreten.

    Nach einem Ritt über die Alpen (4 Pässe in 6 Tagen) mit 150km und ca 14000 Höhenmetern ist die Spitze des linken vorderen Hufschuhes durchgelaufen und gerissen. Gesamtnutzung bisher: 3 Monate und ca 750km

    Bilder unten - jeweils links: hinterer Hufschuh - rechts: vorderer Hufschuh

    hier sieht man, dass die vorderen Schuhe (rechts) sich nach nur 3 Monaten und 750km wesentlich deutlicher in der Zehe ablaufen als die hinteren,
    was ich erwartet hatte, da ich viel in bergig, felsigem Gelände unterwegs bin und auch die vorderen Eisen einen ähnlichen Abrieb aufgewiesen haben.

    Unter Umständen ist es sinnvoll bereits die neuen Schuhe besohlen zu lassen damit im Zehenbereich die Materialstärke nicht verringert wird. Wenn sich die Sohlen beim nächsten Wanderritt bewähren werde ich meine Ersatzschuhe gleich besohlen lassen



    die Klettbänder sind in den Spitzen etwas ausgefranst halten aber noch gut
    Klettbänder sind Verschleißteile und leicht und kostengünstig zu ersetzen

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    Der Riss im vorderen Schuh. In der Zehe dünn gelaufen und dann durch einen Schlag an einen Felsen o.ä. gerissen
    Ich lasse die Schuhe jetzt neu besohlen und hoffe danach eine wesentlich längere Laufzeit zu erreichen

     

    das Gesamtprofil nach ca. 750 km und 3 Monaten sieht eigentlich noch gut aus.
    Wenn sich nicht die vorderen Schuhe in der Zehe durchgelaufen hätten dann könnte ich sie sicher noch einmal 3 Monate benutzen
    wobei das natürlich im Vergleich mit Eisenbeschlag immer noch fast die doppelten Kosten verursachen würde.
    Ich hoffe jetzt auf die bessere Abnutzungseigenschaft der Trotters-Grip-Besohlung

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    Man kann die Renegades nämlich auch neu besohlen lassen. Die Erstbesohlung kostet pro Paar knapp 60 Euro, die Zweitbesohlung 66 Euro. Kontakt Sebastian Rüspeler: Der Hufschuhdoktor. Diese Sohlen werden nur verklebt (2 Jahre Garantie) und bestehen aus besonders weichen "Beschlägen" die abriebarm und stoß dämpfend sind ("Trotters-Grip-Soft"). Ich erwarte von den Trotters-grip-soft, dass sie sich nicht so schnell abnutzen wie die Originalsohle da sie nicht nur weicher, abriebärmer sein sollen sondern auch 10mm dick sind (im Gegensatz zu den Renegades mit 5-6mm Anfangsprofil)!

    Auch nach 750km ist keine Schädigung der Ballen durch den Druck der Renegade Ballenhalter festzustellen. Allerdings ist beim letzten Ritt über die Alpen (14.000 Höhenmeter und 150km) an einem Huf hinten rechts in der Fesselbeuge leichter Schorf aufgetreten. Die Verletzung liegt allerdings 2cm oberhalb der Ballenhalter und genau in einer Falte - ja mein Pony hat schon Falten... Ich kann den Grund dafür nicht wirklich erkennen. Unter Umständen muss ich die Ballenhalter lockerer schnallen als ich es bisher gemacht habe - aber ich weiß nicht wirklich ob das der Grund ist, da es nur an einem Huf aufgetreten ist. Vielleicht ist es einfach eine leichte Verletzung durch ein Ästchen oder was auch immer, wie sie in schwierigem Gelände öfters mal auftreten kann. Jedenfalls ist keine Scheuerstelle zu erkennen.

     

    Update 19. August 2017

     

    Heute sind die besohlten Renegades vom Hufschuhdoktor zurückgekommen (Bearbeitungszeit incl. Transport: 5 Tage - das ist eine reife Leistung)

     


    vorderer Hufschuh



    Was mir hierbei jetzt nicht ganz so gut gefällt, ist das "Loch" in der Mitte, so erfährt der Strahl nur Gegendruck durch die jetzt nur noch 5 mm dicke Schuhsohle. Aber die Sohle wird sich hier, durch das doch relativ kleine "Loch", sicher nicht erheblich durchbiegen können. Wahrscheinlich reicht es um einen korrekten Hufmechanismus zu gewährleisten!

    Ihr Gewicht hat sich durch die Besohlung natürlich verändert:

    vorne Größe 0: 350g -> 410g = +15%
    hinten Gr. 00:   325g -> 400g = +19%

    im Vergleich: 1 Eisen (abgelaufen) wiegt 400g

    also ich denke das sollte bei einem 400kg-Pferd nicht das Problem sein!

    Die Besohlung sieht gut aus, der durchgelaufene vordere Hufschuh wurde vorne repariert/verklebt und mit einem Gummibelag geschützt. Mal sehen ob das hält. Mit einer Heißklebepistole lässt sich jeder Riss so schließen und fixieren, dass er nicht weiter reißt. Durch die 10mm hohen Sohlen wird die Stelle erstmal beim Abfußen nicht mehr belastet. Kosten der Besohlung/Reparatur: 137 Euro (incl 2 mal Porto)

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    Nachteil der Besohlung. Ballenhalter lässt sich nicht mehr unter die Sohle klappen, anziehen ist aber auch so möglich. Man kann die Seiten des Ballenhalters etwas aufbiegen, dann passt der Huf durch!

    Schauen wir mal was der Langzeittest ergeben wird - ich bin jedenfalls gespannt wie sie sich bei hoher Kilometerleistung und schwierigem Gelände bewähren.

    Update 13.09.2017

    Jetzt habe ich bei einem 200km-6-Tageritt das erste Mal einen Renegade-Hufschuh verloren, und das gleich 2 mal.

    1. Am zweiten Tag ist ein Kabel der hinteren Schuhe bei einem "Beschleunigungsvorgang" gerissen - nach ungefähr 850 km und 6 Monaten. Dabei ist das Spannkabel an der Schnalle gerissen, das scheint eine Schwachstelle zu sein. Der Schuh hing mit dem Fesselriemen am Bein, dadurch habe ich es gleich gemerkt. Von den anderen 3 Kabeln (an den 2 Schuhen) waren 2 ebenfalls angerissen. Mein Pony ist halt manchmal etwas heißblütig und entwickelt dann ungeahnte Kräfte auf der Hinterhand. Reparaturkosten 45 Euro.

    2. Ein vorderer Hufschuh ist beim Trinken aus einem Rinnsal in einem tiefen Schlammloch stecken geblieben - habe es glücklicherweise gleich gemerkt und konnte ihn retten.

    Da sieht man die riesigen Nachteile von Hufschuhen. Hätte ich keine Ersatzschuhe gehabt, hätte ich ein Problem gehabt. Aber Ersatzschuhe können nicht auf jedem Ritt mitgeführt werden. Ohne Gepäcktransport sind sie schon arg voluminös und mit 1,2 kg auch nicht leicht. Die Kleinteile sind zwar leicht unterzubringen, allerdings hatte ich z.B. nicht damit gerechnet, dass praktisch alle Kabel auf einmal reißen! Ich hätte die Kabel (hatte nur 2 Stück pro Größe dabei) vor Ort austauschen müssen was zwar möglich aber langwierig und ohne vernünftiges Werkzeug, ausreichendes Licht, einen glatten, sauberen Untergrund schwierig ist. Der Schuh muss erst mal von Sand und Schlamm gereinigt werden um die Kabelkanäle freigängig zu machen. Zum Entfernen der Kabel braucht es eine gute Zange die normalerweise nicht in meinem Notfallgepäck ist. Die winzigen Einzelteile dürfen nicht verloren gehen, daher braucht es einen sauberen, glatten Untergrund bei der Reparatur. Da kann man nur darauf spekulieren, dass ein Barhufpferd im Schadensfall auch einige Kilometer ohne Hufschutz zurücklegen kann. Bei meinem geht das leider noch nicht. Hinten ist es kein Problem, vorne noch unmöglich. Und im Gebirge ist das natürlich auch nicht ratsam.

    Ein drittes Problem ist aufgetreten, das ich aber nicht wirklich einordnen kann. Auf beiden Ballen der hinteren Hufe sind blutige Stellen aufgetreten. Da dies bisher in 800 km nicht passiert ist, vermute ich, dass es durch Aufreiten eines nachfolgenden Pferdes kam. Die Ballenhalter mildern zwar diese Tritte ab, jedoch könnten sie die komplette Belastung eines Pferdehufes nicht abfangen. Ich habe beim Reiten in der Gruppe Anzeichen davon bemerkt, bin jedoch nicht völlig sicher, dass dies der Grund war. Die Zukunft wird zeigen ob solche Verletzungen auch auftreten wenn kein Pferd von hinten angaloppiert kommt und zu dicht aufreitet. Ich halte es allerdings für äußerst unwahrscheinlich, dass die Verletzungen durch Belastungen von innen kommen. Es waren keine Scheuerstellen sondern typische Risse im Ballen wie sie üblicherweise nach Trittverletzungen auftreten.

    Diese Renegades müssten jetzt bis September 2018 halten, dann wäre ich hochzufrieden - allein mir fehlt immer noch ein bisschen der Glaube....


    Die Kosten im Vergleich zu Eisen

    Klar ist, dass der Vorteil für das Pferd nicht in Geld zu bewerten ist. Andererseits sind wir als Pferdebesitzer eh schon stark gebeutelt - da machen ein paar hundert Euro im Jahr schon etwas aus - und ehrlich gesagt, ich habe seit August 2016 bis Mitte Juni 2017, mehr als 1800 Euro in die Hufe meines Pferdes investiert und ich brauche für einen längeren Wanderritt in schwierigem Gelände unbedingt noch einen kompletten Satz Ersatzschuhe, also nochmal knapp 450 Euro (!), ich finde es reicht jetzt!

    Für 4 Duplos (orange Version) habe ich etwa 40 Euro mehr bezahlt als für Eisenbeschlag, aber sie halten auch nur maximal 6 Wochen bei starker Belastung. Die härtere, grüne Version ist nicht teurer, diese habe ich jedoch nicht getestet da ich nach den ersten Erfahrungen nichts von Duplos für mein Pferd und die Reitweise halte. Sie sollen aber bei sehr hoher Reitleistung bis zu 800-1000km halten, wenn man sie vor der Benutzung bis zu 6 Monate lagert (die lange Lagerung soll den, beim Spritzguss verwendeten, Weichmacher verdunsten lassen, so werden sie abriebfester), aber ob das bei meinem Pferd, meiner Reitweise funktionieren würde, kann ich nicht bestätigen die orangenen jedenfalls waren nicht geeignet.

    Zu den Kosten von Hufschuhen im Vergleich zu Beschlag. Alle Hufschuhe die ich bisher getestet hatte kosteten pro Stück zwischen 95 und 107 Euro. Dazu kämen dann noch die Hufpflege die etwa 30 Euro und mehr pro Sitzung kostet. Nach dem "natural hoof care" wird von höchstens 4-6 wöchigen Intervallen ausgegangen - ich habe unten 8-wöchige Intervalle zugrunde gelegt (also sind die kalkulierten Kosten für Hufschuhe eher höher). Zusätzlich evtl. Ersatzteile für die jeweiligen Systeme, die man vorhalten muss um unterwegs keine Probleme zu bekommen. Auch diese Kosten habe ich nicht eingerechnet.

    Die Kosten für Eisen habe ich mit 110 Euro eher hoch kalkuliert. 120 Euro kosteten bei mir in der Regel Eisen mit 4 Widiastiften/Eisen bzw. im Winter mit Schneegrips und Stollen, außerdem kann man Eisen häufiger über 2 Perioden nutzen wenn man nicht so viel geritten ist und dann kostet der Beschlag 80-90 Euro.

    Am Beispiel des Equine Fusion allterrain (105 Euro) sieht das dann so aus:

    4 Monate EQFU kosten 420 Euro plus mindestens 60 Euro Hufbearbeitung, also: 480 Euro (mindestens)
    4 Monate Eisen kosten: 220 Euro (höchstens)

    8 Monate EQFU kosten 480 plus 60 Euro also: 540 Euro
    8 Monate Eisen kosten: 440 Euro

    12 Monate EQFU: 600 Euro
    12 Monate Eisen: 660 Euro

    Also, im Laufe des 12. Monat ziehen Hufschuhe, bezüglich der Kosten, mit Eisen gleich.

    Für Renegades bzw. auch andere Hufschuhe mit einer Neubesohlung mit Trotters-Grip gelten etwa 15 Monate als Grenze für die Kostenparität zu Eisenbeschlag. In 15 Monaten reite ich knapp 4000 km, ob das die Sohlen aushalten wage ich zu bezweifeln....

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    Schlussbetrachtung

    Aber: Die "Equine Fusion allterrain", die 12 Monate halten, wenn sie fast täglich, incl. mehrtägiger Wanderritte, benutzt werden möchte ich sehen - und vor Allem die Beine der Pferde! Das ist für mich nicht vorstellbar, weder bei den "EQFU allterrain", ebenso nicht bei den "easyboot glove", eingeschränkt vielleicht bei den "easyboot new trail" denn die konnte ich nicht lange genug testen.

    Außerdem sollte man Firmen wie equine fusion, die drei oder 4 ähnliche Hufschuhsysteme anbieten, fragen, warum sie das machen. Meiner Meinung nach nur zur Umsatzoptimierung denn, es sind im Falle von EQFU alles Schlupfschuhe, da gibt es huftechnisch keine Veranlassung die eine oder andere Version zu verwenden. Sie unterscheiden sich im Verschlussmechanismus, in der Sohle aber nicht im Hufschuhprinzip!

    Bei easycare-Schuhen gibt es mehrere Versionen. Schlupfschuhe ("easyboot new trail"), die "easyboot gloves" die sowohl Schlupf- als auch Presssitz verlangen, die "normalen" Epic u.a. Versionen die durch Trachtenbänder, mit oder ohne Krallen, und einem Spannmechanismus gehalten werden. Diese habe ich nicht getestet da ich deren Funktion von früher her in sehr unguter Erinnerung hatte. Außerdem erscheint mir das Prinzip, den Schuh von den Trachten aus nach oben vorne auf die Zehen zu spannen als eher unsicher. Was ist wenn die Trachten sich im unteren Bereich rund gelaufen haben? Wie sollen die Trachtenbänder dann halten? Des weiteren muss ein Drehen des Hufschuhes (z.B. bei Pferden die beim Abfußen leicht drehen oder zu runde Hufe haben) unweigerlich zum Verlust der Schuhe führen.

    Bei den Renegades kann ich mir das durchaus vorstellen da alles, was nicht austauschbar ist, sehr stabil ist, sie auch neu besohlt werden können, wobei dann natürlich nochmal Mehrkosten durch Reparatur/Neubesohlung etc. hinzukommen. 

    Am Beispiel der Renegades sieht man deutlich, dass es auch anders geht. Sie halten an allen Hufen die eine Hufbearbeitung nach dem natural hoof care erfahren und nicht deformiert sind. Und sie halten wirklich sehr gut (Sind die Hufe exakt rund dann wird es allerdings zu Problemen mit Drehen der Hufschale kommen aber dann dreht jeder Hufschuh!) Ich habe sie bisher, außer beim ersten Ausritt, noch nie verloren und selbst leicht gedreht halten sie am Huf. Nur so ist unbeschwertes Reiten möglich. Ich kann mein Pony als freies Pferd laufen lassen ohne ständig schauen zu müssen ob die Hufschuhe noch da sind - er hält dann ja auch öfter 30m Abstand zum Führpferd - reite ich selbst muss ich nicht ständig schauen und in der Gruppe kann ich sicher sein, dass die anderen nicht durch mich aufgehalten werden (das wäre wirklich kein Zustand und würde mich erheblich belasten).

    Der Entwickler der Renegades, Kirt Lander, ist seit 2000 als "natural hoof care practitioner" tätig und eignete sich umfangreiches Wissen über Kunststoffverarbeitung (Lander Industries Inc.) an. Er entwickelte diesen Hufschuh 2005-2008, er ritt selbst als Endurance-competitor und nur mit barhoof-Pferden und er produziert den Schuh seitdem in der eigenen Firma. Der Schuh wurde aus der Praxis  für den harten Einsatz konstruiert. Dieser Hufschuh wurde in Details ständig weiterentwickelt (aber es wurde nicht jedes Mal eine neue Version auf den Markt geworfen) und es gibt ihn heute noch. Mittlerweile gibt es eine Nachfolgeversion an der sich aber nichts technisch Wesentliches geändert hat.




    der Renegade "Viper"- Hufschuh

    Es hat lediglich Designänderungen am Schuh gegeben (geschlossener Ballenhalter und außenliegende Umlenkrolle) sowie leichte Materialänderungen (etwas weicheres PU) sowie höheres Sohlenprofil. Ich habe diesen Schuh nicht gekauft weil er ab Lager nur in schwarz zu haben war - und schwarz finde ich für Hufschuhe grundsätzlich bedenklich (wegen des schlechten Auffindens, sollte er mal verloren gehen und weil man vom Sattel aus den Zustand der Klettbänder nicht mehr erkennen kann, da sie auch schwarz sind). Irgendwann werde ich mir sicher mal ein Paar kaufen und testen.

    Dennoch sieht man in meinem Langzeittest überdeutlich, dass der, von der Hufschuhindustrie und den diversen nachfolgenden Handwerkern, verbreitete Mythos "Hufschuhe seine billiger als konventioneller Eisenbeschlag" komplett an der Realität vorbei geht - zumindest bei einer pferdegerechten Nutzung! Denn frei laufende Pferde legen am Tag locker 30 km (und mehr) zurück - macht im Jahr 10680km. Ich reite maximal 4000 km im Jahr, also noch nicht einmal die Hälfte der als pferdegerecht empfundenen Kilometerleistung ....



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