Wanderreiten


100% Gefälle auf der via Sbrinz

voll bepackt und entspannt während einer Pause auf 2460m

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Ich lese immer mal wieder in diversen Foren von absoluten Wahrheiten, jeder hat seine eigene und nur diese ist richtig - alles Quatsch. Es gibt ein paar Grundlagen die beachtet werden müssen - der Rest ist variabel und nichts ist daran absolut richtig - auf die Kombination kommt es an. Du musst auch keinen Kurs machen um ein Wanderreitpferd richtig zu bepacken oder um mit dem Pferd ins Gelände zu gehen!  Du musst eine Intuition für dein Pferd entwickeln,  wie ist seine Sichtweise auf die Dinge, was sind seine Ängste und Bedürfnisse und warum. Du musst es lehren mehr oder weniger deiner Führung zu folgen (Vertrauen ist ein großes Wort und ich bin nicht der Meinung, dass irgend ein Pferd einem Menschen vertraut) aber sie folgen aus Erfahrung dem Führenden, genau wie in der Herde - Pferde suchen immer Sicherheit. Alles das lernt ihr am Besten indem ihr es einfach und zusammen macht.

Die folgende Abhandlung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und auch nicht darauf, die einzige Wahrheit zu sein. Sie ist im Laufe des Schreibens immer umfangreicher geworden und ich bin auch noch nicht fertig damit. Ich sehe das Bedürfnis vieler Reiter aus den engen Vierecken raus in die Natur zu gehen. Nirgendwo sonst und mit nichts anderem bist du dieser Natur näher als mit einem Pferd, mit seinem instinktiven, jahrhundertealten Wissen über die natürlichen Zusammenhänge. Lerne von ihm das alte ursprüngliche Wissen und lehre ihm die veränderten Lebensumstände der modernen Zeit zu verstehen. Dann seid ihr ein Team, eine kleine Herde.

Das Training

Also - was muss ich machen um mit dem Wanderreiten zu beginnen? Meine Antwort: Einfach LOSREITEN! Sattel drauf und ab ins Gelände. Die Ausritte immer weiter ausdehnen, ein Kennenlernen deines Pferdes. Wovor hat es Angst, wie reagiert es in brenzligen Situationen, wie bei der Begegnung mit Fahrradfahrern, Waldmaschinen, Kühen, Ziegen, Traktoren, im Straßenverkehr oder mit, in der Landschaft lauernden, Sauriern?

Was ist beim Durchqueren von Furten, Bächen, Gräben, auf engen und steilen Wegen, beim Umreiten von umgestürzten Bäumen? Dabei immer in die Situationen hineingehen, nicht sie vermeiden wollen. Und Ruhe ausstrahlen, zur Not absteigen und laufen. In schwierigen Situationen sollte Abbrechen nur das allerletzte Mittel sein, denn abbrechen einer einmal begonnenen Anforderung an das Pferd ist schlecht, gibt die falschen Signale. Daher muss du dir immer vorher überlegen ob dein Pferd schon in der Lage ist diese, ihm Angst bereitende Situation anzugehen und zu überwinden. Einfühlsamkeit und deine innere Überzeugung helfen bei der Entscheidung. Dennoch ist abbrechen manchmal notwendig, zögere dann nicht es zu tun.

Nur aus der Erfahrung lernen Pferd und Reiter. Pferde müssen die Umgebung kennenlernen, die vermeintlichen Gefahren als ungefährlich erleben und das immer wieder. Wie sensibel ein Pferd ist kommt auf den Charakter des Pferdes an, Araber und andere Vollblüter sind dabei meist hypersensibel und können sich am Zweig, der auf dem Weg liegt, scheinbar zu Tode erschrecken, andere Pferde sind unsensibler und leichter zu händeln. Hier ist es wichtig die Grenzen zu kennen. Wie reagiert mein Pferd in welcher Situation. Wichtig ist vorher zu erkennen was das Pferd am, sich anbahnenden Ereignis evtl. als gefährlich einstufen könnte und wie es reagiert. Nur dann kannst du schneller sein und vorher gegensteuern. Allerdings täusche dich nicht, du wirst das niemals perfekt hinbekommen denn Pferde sind schneller in ihren Reaktionen "sehen" andere Dinge als du. Sie haben einen siebten Sinn, nehmen Dinge wahr die du vielleicht als "Aberglaube" abtust aber für sie ist die Wahrnehmung real. Sie spüren die Stimmung des Reiters und die Mystik eines Ortes. Du wirst, je nach Charakter des Pferdes, nicht gänzlich vermeiden können, dass sie sich an Dingen erschrecken die in deinen Augen nicht existieren oder lächerlich sind. Du kannst dein Pferd dafür belächeln, dich darüber lustig machen aber strafe es nie dafür, das ist sinnlos und führt sicher nicht zu Vertrauen in deine Fähigkeiten. Aber es ist schwer hier eine optimale Verhaltensweise vorzugeben, zu unterschiedlich sind doch die Charaktere. Manche brauchen ein bisschen Druck um durch die Situation zu gehen, manche brauchen die laute Stimme, einen kleinen Klaps auf das Hinterteil oder was auch immer - und es geht genau darum, herauszufinden was ihm hilft seine (vielleicht unsinnige) Angst zu überwinden.

Sei dir bewusst, dass Pferde ein anderes Gesichtsfeld und ein anderes Farbspektrum haben wie Menschen. Das Gesichtsfeld ist einerseits viel größer, nahezu 360 Grad Rundumsicht, andererseits sehen sie nur in einem ganz kleinen Winkel (50 Grad) nach vorne völlig scharf. Und sie sehen beim normalen Laufen vom Pferdekopf bis zu 2 m Entfernung gar nichts. Daher senken sie den Kopf wenn es uneben und knifflig wird zu Boden. Oder sie drehen den Kopf in die Richtung aus der sie eine Gefahr vermuten. Das darfst du dann nicht unterbinden.

Wie sehen Pferde Farben? In Tests hat man festgestellt: Pferde sehen kaum Unterschiede zwischen rot und grün, sie sind grün-blau-gelb-sichtig. Diese Farben erkennen Sie mit Kontrast, die anderen nur als "grau, grün oder gelb"-Abstufungen (das weiß man natürlich nicht). Und Pferde hören viel besser bzw. anders, als wir Menschen. Deshalb drehen Sie immer die Ohren zur vermeintlichen Gefahr. Weil ihre Augen nur einen kleinen Teil des Geschehens richtig erkennen können. In solchen Situationen ist beruhigendes Reden mit dem Pferd genau das Richtige. Wenn nichts mehr geht, das Pferd sich weigert weiter an eine Stelle heranzugehen, absteigen und führen.  Dann ist der Mensch derjenige der die Verantwortung übernimmt und das Pferd nur der Nachfolgende der die Verantwortung an den Führer abgibt. Das funktioniert aber nur wenn der Mensch mit seinem Verhalten, seiner Anleitung bewiesen hat, dass er wenig Situationen in der Vergangenheit falsch eingeschätzt hat, es durch sein Verhalten keine Gefahr für Leib und Leben gegeben hat. Und du musst dem Pferd die Zeit geben die Stelle, die ihm Angst macht, mit Augen, Ohren und der Nase näher zu erfahren - nicht schimpfen oder bestrafen.

Weitere Dinge die trainiert werden können/sollten: Hängerfahren, Trinken aus Pfützen, Bächen, fremden Gefäßen. Begegnung mit anderen, fremden Pferden, Wegreiten von anderen, Vorbeireiten an Plastikplanen die vom Wind bewegt werden, Übernachtung in fremder Umgebung, in einer Box, im Freien. Treppen hoch und runter laufen und auch reiten. Jedes Pferd kann Treppen gehen es ist nicht die Treppe oder die Steilheit, die sie erschreckt, sondern die Regelmäßigkeit. Auch das kann man trainieren. Wenn Treppen zu eng sind dann lieber sein lassen, vor allem runter. Die Gefahr ist immer, dass das Pferd versucht mit Gewalt oder Schnelligkeit das Hindernis zu überwinden und das geht bei Treppen nicht gut aus. Aber immer mal wieder kommt man bei einem längeren Wanderritt an eine solche Stelle mit Treppe und muss dann entscheiden was zu tun ist. Wenn der Umweg gar so weit ist oder es evtl. keine direkte Alternative gibt solltest du wissen was dein Pferd sich zutraut (können tun es alle). Ein Extremetrail-Park ist sicher hilfreich zum trainieren der Geländegängikeit und der Gelassenheit aber nicht notwendig. Das Gelände selbst gibt genügend Hindernisse her.

Grundsätzlich ist es sehr hilfreich, bevor du mit dem eigenen Pferd ins Gelände gehst, einen gebuchten Trailritt durch bergiges Gelände mitzumachen denn dabei lernst du was Pferde wirklich können. MIr hat das sehr viel Sicherheit mit dem ersten eigenen Pferd gegeben, denn ich wusste was möglich ist. Allerdings sind nicht alle Veranstalter dafür geeignet. In Deutschland herrscht bei Veranstaltern eher die vorsichtige Mentalität vor. "Nur nichts verkehrt machen, niemanden überfordern" - Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Oder schau dich auf meinen Seiten um, auch da kannst du extreme Stellen im Gelände sehen und auch Berichte über Trailritte mit diversen Veranstaltern finden.

Ausdauertraining

Die Muskulatur des Pferdes trainierst du im Schritt, die Kondition (Verbesserung der Lungen- und Herztätigkeit) trainierst du im Galopp. Das ist natürlich vor Allem bei Pferden notwendig die hohe Leistung erbringen müssen (Distanzsport oder Rennen). Willst du die Kondition deines Pferdes nachhaltig verbessern brauchst du etwa 1 Galoppeinheit pro Woche von 10 Minuten Dauer und über 4-4,5km Strecke, das ist nicht schnell, 24-27km/h ist ein bequemer, mittlerer Galopp (Kanter: 18-24km/h) aber nicht die Geschwindigkeit ist entscheidend sondern die Dauer. Das über 6-8 Wochen durchgezogen und du solltest eine deutliche Konditionsverbesserung erreichen. (Ich habe das noch nie gemacht, das ist mir zu viel Sport und ich hasse Sport).

Neben den gerittenen Kilometern/Stunden, die von anfänglich 15-20km (ich rechne hierfür 3-4 Stunden incl. regelmäßiger Fresspausen) auf 30-45km (6-9 Stunden) erhöht werden, muss vor Allem das Bergaufgehen trainiert werden. Pferde die aus dem Flachland kommen, haben dabei erhebliche Probleme auch wenn sie ansonsten gut im Training stehen. Hast du keine Hügel oder Berge in der Nähe kannst du dieses Training auch durch lange Trabpassagen erreichen (bis zu 30 Minuten Trab). Nach den Trainingsritten immer einen Tag Ruhe einplanen denn die Muskeln werden nur in den Ruhephasen gebildet. Ist die Ausdauer, sind die Muskeln einmal vorhanden reichen zum Muskelerhalt auch 10km alle 2 Tage. Das beste Muskeltraining für Wanderritte ist schneller Schritt, bergauf, bergab.

Wenn du zusätzlich Konditionstraining machst, beachte die Atmung deines Pferdes. Die Atemfrequenz sieht man an der Flanke recht gut. Man zählt die Atemzüge für 10 Sekunden und multipliziert mit 6. Ruhefrequenz beim Großpferd ca 12/Minute (Pony 16) In Belastung 50 bis zu 150 Atemzüge pro Minute. Nach welcher Zeit die Atmung wieder zur Ruhe kommt ist ein Maß für die Kondition. So kannst du selbst die Konditionsverbesserung messen. Allerdings ist dies nur ein sekundäres Kennzeichen denn durch Training kann nicht das Lungenvolumen verbessert werden sondern die Atmung normalisiert sich deshalb schneller wieder weil das Herz durch die Gefäße unter Belastung mehr Sauerstoff in die betroffenen Organe/Muskeln pumpen kann und diese ihn auch schneller umsetzen können. Eine genauere Konditionsmessung erfolgt über die Beruhigung des Herzschlages nach Belastung - hier ist der Ruhepuls 28-40, unter Belastung bis zu 240 pro Minute. Durch die regelmäßige Anstrengung verdicken sich die Wände des Herzens, was die Pumpkraft verstärkt. Der Sauerstoff kann somit besser transportiert werden und die aerobe Leistungsfähigkeit des Pferdes verbessert sich.

Schneller Galopp ist übrigens eine Geschwindigkeit von 48-52km/Stunde, das packen normal trainierte Pferde jedoch nur für etwa 500-800m (oder gar nicht), dann werden sie wieder langsamer oder fallen ganz in den Trab. Aber das macht Spass und ist kein Sport, vor Allem wenn das Pferd dabei in den deutlichen 4-Takt-Galopp fällt und du wie auf einem Pfeil über den Boden zu gleiten scheinst! Wikipedia: "Nach neuesten Messungen ist der Galopp eigentlich eine Viertaktgangart, da rechts hinten und links vorne [beim Rechtsgalopp] in der Bewegungsfolge nicht exakt gleichzeitig gesetzt werden. Je schneller der Galopp geritten wird, umso größer ist der zeitliche Unterschied zwischen links hinten und rechts vorne. Der Unterschied ist allerdings so gering, dass er für den Reiter unbedeutend ist. Es gibt jedoch zwei Fälle, in denen der Viertakt deutlich sichtbar wird: Beim sehr schnellen Renngalopp sowie beim extrem langsamen Galopp."   (Bewegungsabfolge Rechtsgalopp: 1 links hinten – 2 rechts hinten mit links vorne – 3 rechts vorne, dann ausgeprägte Schwebephase)

Für das "normale" Wanderreiten, bei dem wir es ja deutlich gelassener angehen wollen, ist eine ausgewogene Mischung aus schnellem Schritt (ca.60-70%), und Galopp (30-20%) auch bergauf, dazwischen Trabpassagen (10%) zum Entspannen das beste Training für Muskeln und Kondition. Also wie oben schon gesagt - einfach LOSREITEN!

Das Wanderreit Equipment

Es gibt viele Möglichkeiten, viele Systeme und viele individuell unterschiedlichen Pferde. Das Schildern meiner Herangehensweise und der Erfahrungen über die Jahre soll bewirken, dass du daraus ersiehst, wozu etwas so und nicht anders sein sollte. So kannst du diese Erfahrung am ehesten auf das eigene System/Pferd, die eigene Möglichkeit anwenden. Für die Optimierung der Ausstattung ist der Weg das Ziel!

Aber auch ganz klar - der Beitrag ist subjektiv und spiegelt meine Meinung wieder die ich mir in den letzten 12 Jahren intensiven Wanderreitens gebildet habe. In diesen Jahren habe ich mindestens 35-40.000 km im Gelände zurückgelegt. Ich würde mich nicht als "guten" Reiter (gut im Sinne der Reitkunst) bezeichnen aber als Mensch, der sein Handeln immer wieder überdenkt, aus seinen Fehlern lernen möchte und versucht alles zum Wohl des Pferdes zu tun! Da es offensichtlich sehr viele Menschen gibt, die sich unsicher sind, wie sie mit dem Wanderreiten beginnen können, war es mir ein Bedürfnis, meine Herangehensweise aufzuzeigen. Je mehr Pferde weg von Halle und Viereck kommen und die wahre Natur, Ihre ureigene Domäne, kennenlernen, umso besser. Und danke für die viele konstruktive Kritik in den Facebook-Posts.

Um es vorweg zu nehmen. Ohne Basteln kommt man nicht aus wenn man sein Equipment fit für lange Ritte machen möchte. Alles was es zu kaufen gibt hat, teils erhebliche, Mängel, die aber durch kleine (oder große) Änderungen korrigiert werden können.

Wenn du Materialien suchst. Einfach die Stichworte in eine Suchmaschine eingeben und du solltest ein Ergebnis erhalten.

Punkt 1: Der Sattel

Der Sattel muss passen! Was heißt das?

Der Sattel ist das Bindeglied zwischen Reiter (incl. Gepäck) und Pferd. Er muss das gesamte Gewicht auf den Rücken des Pferdes bringen ohne diesem zu schaden. Das Gewicht muss auf den Rippen (und sonst nirgendwo) liegen, und zwar möglichst gleichmäßig. Der Widerrist muss frei bleiben! Da er sich beim Laufen maximal bewegt, wäre ein Abscheuern, erst der Haare, dann ein Wundscheuern der Haut, die Folge. Die Schulter darf durch den Sattel nicht in Ihrer Bewegung eingeschränkt werden. Es muss unbedingt vermieden werden, dass der Sattel durch die nach hinten schwingende Schulter angehoben wird denn das wäre auf Dauer mühsam, schmerzhaft und würde zu erhöhtem Verschleiß führen.

Eine möglichst große Auflage auf den Rippen ist nötig, der Sattelbaum sollte flexibel sein um sich den Bewegungen des Pferderückens anpassen zu können und nicht starr. Er sollte weich gepolstert sein oder man muss ein dickes weiches Pad unter den Sattel legen wie z.B. bei Westernsätteln. Der Sattel muss überall perfekt aufliegen, ohne Hohlräume zu bilden oder Beulen zum Pferd. Am Besten ist ein Maßsattel bei dem auch der Baum der Form des Pferderückens angepasst, leicht flexibel aber tragfähig und der darüber hinaus weich gepolstert, ist.

 

Nach diesem Gitter kann der Sattelbauer den Baum formen und die Polsterung anpassen. Auch beim Kauf eines gebrauchten Sattels ist ein angepasstes Sattelgitter sehr hilfreich. In den Sattel eingelegt sieht man sofort wie er auf dem Pferd liegt. Unter den, auf dem Pferd liegenden Sattel, kann man nämlich schlecht schauen. Man kann die Ränder beurteilen, den groben Sitz, aber wie er in der Fläche liegt, nicht. Mit  dem Gitter kann der Sattler den Sattel an Stellen, wo er nicht exakt passt, aufpolstern. Wobei das Aufpolstern bei einem völlig unpassenden Baum unter Umständen nicht ausreicht da dieser sich evtl. durch die Polsterung durchdrückt, sofern diese nicht bretthart ist.

 

Sattelgewicht und Auflagefläche:

Es gibt Leute die sagen, alles unter 15 kg taugt nichts - ich persönlich halte nichts von diesen schweren Sätteln. Vor Allem Westernsättel schlagen alle Gewichtsrekorde. Bei Westernsätteln hat man das Problem, dass die Bäume dafür für Quarterhorses entworfen und pauschal geformt werden und diese Pferde so etwas wie Einheitsmaße haben Halfquarter/Fullquarter. Legt man einen Westernsattel auf einen Araber oder anderen Vollblüter wird er in der Regel nicht passen! Es gibt natürlich auch Westernsättel mit Araberbaum! Ich habe keine Erfahrungen mit Westernsätteln da ich sie für zu schwer und von der Form her für MEIN Pferd als nicht geeignet erachte. Mein jetziger Sattel wiegt (ohne Zubehör) ca. 8kg und ist maßgefertigt (aber bezahlbar), wobei der Baum nach dem, vorher vorhandenen, Gitter geformt wurde. Sommer Spirit (Auflagefläche 2000cm²) - Link zum Hersteller.

Dressursättel sind ein NO-GO fürs Wanderreiten, ebenso baumlose Sättel!

Wie man schön sehen kann sind die Rippen mittig in der Wirbelsäule "befestigt". Die Wirbelsäule schützt das Rückenmark, das u.a. für die Kraftübertragung von der Hinterhand nach vorne verantwortlich ist, sie ist eine Hängekonstruktion und zwischen dem Schulterblatt (Widerrist) und dem letzten Lendenwirbel (Darmbein) aufgehängt. Sie ist grundsätzlich nicht dafür entworfen mit zusätzlichem Gewicht belastet zu werden. Sie wird durch Muskelbänder (u.a. der Längs- und Trapezmuskel und die Bauchmuskeln) gestützt. Ein Gewicht das auf den Rippen liegt kann optimal durch diese Muskeln getragen werden sofern sie gut trainiert sind.

Wird dagegen die Wirbelsäule mittig von oben belastet, dann drückt das Gewicht auf die Dornfortsätze und das darf auf keinen Fall geschehen. Selbst wenn das Gepäck auf einem dicken festen Pad liegt drückt es hier auf den höchsten Punkt des Pferderückens (und damit auf die Dornfortsätze). Das ist für das Pferd auf Dauer schmerzhaft und kann zur Lahmheit führen -> z.B. "kissing spines". Bei dieser Krankheit "neigen" sich die Dornfortsätze so weit zu einander, dass sie sich berühren, was Reibung erzeugt und äußerst schmerzhaft ist. Das kann durch Arthrose, Schwund der Bandscheiben, hauptsächlich jedoch durch falsche Belastung durch das Reiten aber auch durch falsche Gepäckbefestigung ausgelöst werden. 

Punkt 2: Die Sattelunterlage

Grundsätzlich wird die Empfindlichkeit der Pferdehaut völlig überbewertet. Normale Pferde sind sehr robust und stecken Unebenheiten locker weg. Manche Leute behaupten, schon die Nähte in einer Satteldecke könnten wund scheuern - das ist Blödsinn, zumindest wenn der Sattel nicht bretthart sondern von unten gepolstert ist.

Richtig ist, dass der Rand der Satteldecke, da wo die Gurtstrupfen eng anliegen, wund scheuern kann, aber nur weil dort, zwangsläufig und unvermeidbar, sehr viel Druck auf den Rand/die Naht ausgeübt wird und das dann durch die Bewegung scheuern kann. Ich habe ein, im Sommer extrem dünnfelliges Araberpony und hatte das Problem am Anfang auch. Ich habe mir dann eine Schurwollwalkdecke genäht, die unter der Schabracke liegt und etwas über den Rand hinausgeht. Das, und etwas lockerer zu gurten, hat das Problem sofort beendet. Schurwolle ist da extrem hautfreundlich. Im Sommer gibt es öfter kleine Beulen auf der Haut durch Insektenstiche, auch diese führen nicht dazu, dass sich dort Scheuerstellen bilden - aber nur wenn der Sattel und die Unterlage so weich sind, dass diese Beulen sich dort eindrücken können.


Eine Satteldecke ist unter einem passenden und entsprechend gepolsterten Sattel (ohne Gepäck) eigentlich unnötig. Einzig aus Gründen der Reinhaltung ist sie notwendig, denn die Decke ist leicht zu waschen während der Sattel sich mit Schweiß und Dreck vollsaugen würde. Je dünner die Decke, desto besser, denn jeder Zentimeter unter dem Sattel verändert die Passform und dieser wird dann am Widerrist leicht zu eng. Je runder das Pferd und je weniger Widerrist es hat, umso unproblematischer sind dicke Pads. Bestes Beispiel sind Quarterhorses - rund wie eine Tonne und (fast) keinen Widerrist = Full-Quarter. Da ist das Sattelanpassen mit einem Pad kein Problem, bei schmalen, kantigen Pferden dagegen ist das unmöglich.

Notwendig ist die Satteldecke aber beim Reiten mit Gepäck, denn dieses darf nicht direkt die Haut berühren. Würde eine Satteltasche die Haut berühren dann würde sie durch ständige Bewegungen die Haare abscheuern und das Pferd wird wund. Liegt eine Satteldecke darunter dann scheuert die Tasche an der Decke und diese schützt die Haut.

Natürlich muss man auch die Unempfindlichkeit der Haut trainieren. Ein Pferd, das noch nie länger als 1 Stunde am Stück gelaufen ist, kann nicht auf einmal 6-8 Stunden mit Gepäck, im Sommer bei Hitze und körperlicher Anstrengung über Berge klettern. Da ist Mitdenken und langsames Heranführen an die Aufgaben unbedingt notwendig. 

Ebenso wichtig ist es, niemals mit neuen, ungetesteten Ausrüstungsgegenständen auf einen längeren Wanderritt zu gehen. Es sei denn, man kennt diese schon und kann einschätzen ob sie Probleme bereiten können oder nicht. Lieber aber vorher unter vergleichbarer Belastung testen.

Es gibt verschieden Systeme an Satteldecken:

Als Satteldecke und Polster für den Rücken habe ich eine Schabracke von Grandeur mit einer Verlängerung die mit etwa 3-4cm dickem Codelfließ gepolstert ist (Codel oder Hohlfaserfloor) . Grandeur macht Schabracken nach Kundenwunsch (eigenes Schnittmuster erstellen). Die Schabracke mit der Verlängerung ist noch von meinem Barefootsattel übrig geblieben ( Barefoot® Wanderreitpad 'Physio' - Hersteller ist Grandeur).  Der Flies der Verlängerung ist hervorragend schlagdämpfend und obwohl das Gewicht hier, mehr oder weniger, direkt auf der Wirbelsäule liegt, hatte ich noch nie Probleme am Rücken, trotz langer Ritte mit viel Gepäck. Da mein Pony sehr kurz ist, liegt diese Rolle bis auf die Kruppe! Noch ein Vorteil dieses dicken Flies ist, dass es kaum Abscheuern von Haaren gibt, wie es bei einer festen Padunterlage der Fall wäre. Wenn man die Pferde beim Laufen beobachtet, dann sieht man, dass der Rücken, hinter dem Sattel zum Pad hin, permanente Seitenbewegungen macht, das Pad jedoch mit dem Sattel mittig ausgerichtet bleibt, wodurch die Haare abgeschabt werden. Sind sie weg, dann wird die Haut wund. Das ist nicht bei allen Pferden der Fall aber bei sehr vielen!

Dieses (angebliche) "Physio"pad habe ich natürlich an den Sattel anpassen müssen denn es wurde für einen baumlosen entworfen. (Wie es bei diesem nicht wirklich funktioniert, kann man in meinem Satteltest nachlesen).

Die Schurwolleinlage, die man auf dem Bild innen sieht habe ich herausgetrennt, denn sie ist kontraproduktiv bei einem Sattel mit Baum. (beim baumlosen konnte sie zusätzliche Polsterschaumstoffstücke aufnehmen um einen Wirbelsäulenkanal zu bilden) Das echte Schurwollfell, direkt auf der Haut ist schlecht, denn es verfilzt sehr schnell, vor Allem während des Fellwechsels. Wenn man es nicht sehr regelmäßig und kräftig mit einem harten Striegel auskämmt verfilzt es mit abgeriebenen Pferdehaaren zu einer steinharten Wulst und das ist nicht gut! Und wer hat auf einem Mehrtagesritt schon so etwas mit bzw. hat Lust am Abend noch 20 Minuten die Wolle auszubürsten - ich nicht,  vor allem weil man dazu die Satteldecke vom Sattel trennen muss! Das Codelfließ der Verlängerung ist keine Wolle sondern Synthetik und filzt niemals. Ich bin normalerweise kein Freund von Synthetik, bevorzuge natürliche Materialien, aber in manchen Bereichen hat es einen echten Komfort-Vorteil und weniger Nachteile.

Unter der Wanderreitschabracke habe ich das oben erwähnte Schulwollwalkpad (5mm dick). Dieses habe ich anatomisch geschnitten und es ist vorne mit Klettstreifen an der Schabracke befestigt da es sonst durch die Bewegung nach hinten rutschen würde. Auch die Schabracke habe ich vorne und hinten mit Klettbändern versehen um sie am Rutschen zu hindern. Auch auf den seitlichen Lederstreifen habe ich Gurte befestigt, durch die die Sattelstrippen gezogen werden um ein Verrutschen zu verhindern. Das Befestigen von Gurten und Bändern auf einer solchen dicken Unterlage ist natürlich nicht ganz einfach. Ich habe eine Nähmaschine mit der man solch dickes Material nähen kann oder ich loche die Stellen vor und fixiere die Gurtbänder mit 1-2 Hohlnieten, oder am elastischsten mit stabilen quadratisch geschnittenen Lederriemen. Diese kann man in einer Länge von 1-2 m kaufen.

 

Punkt 3: Das Gepäck

Ein gesundes (Pack-) Pferd kann bis zu 70 kg totes Gewicht tragen ohne Schaden zu nehmen, ein Muli bis zu 130 kg. Ein Reiter ist kein totes Gewicht wenn er im Sinne der Druckvermeidung geschmeidig in der Bewegung, im Schwerpunkt sitzt und Stöße somit ausgleichen kann. Ein Pferd ist locker dazu in der Lage, mindestens 25-30% seines Körpergewichtes zusätzlich zu tragen. Das bedeutet bei einem 400kg-Pony 100(-120) kg. 100kg - das wäre in etwa so als wenn ein 60kg schwerer Mensch einen Rucksack von 15 kg zu tragen hat - und das ist kein Problem. Ich bin schon mit 27 kg auf dem Körper 10 Tage und 70km durch die Berge gewandert - das waren damals fast 50% meines Körpergewichtes. Am Anfang der Tour hat mich das Gewicht schier erschlagen, am Ende habe ich es fast nicht mehr wahrgenommen. Natürlich ist bei der Anatomie des Pferdes zu berücksichtigen, dass es auf vier Beinen geht und der Rücken/die Wirbelsäule, durch die Belastung durchgebogen wird. Deshalb kann niemand den Rücken mit 50% des Eigengewichtes belasten, wie beim Menschen. Aber, sowohl beim aufrecht gehenden Menschen als auch beim vierbeinigen Pferd entwickeln sich natürlich während der Arbeit, Muskeln, die die Wirbelsäule stützen und es ermöglichen Gewicht zu tragen. Auch hängt es natürlich mit der Länge des Pferdes zusammen. Der Rücken von quadratische Pferdetypen ist immer tragfähiger als der von rechteckigen.

 "Quadratisch" nennt man ein Pferd, wenn Rumpflänge (Bug/Brustbein<->hinterer Beinmuskel) und Widerristhöhe gleich sind.

Wichtig beim Reiten mit Gepäck ist in erster Linie, dass es, möglichst nur auf dem passenden Sattel aufliegt bzw. an diesem befestigt wird, denn dann kann dieser das zusätzliche Gewicht wieder auf die Rippen bringen. Leichte, weiche Sachen können durchaus auch den Rücken berühren nur sollte man gegen Scheuerstellen immer ein festes gepolstertes Pad oder eine (2-4cm) dicke Satteldecke darunter haben. Man kann auch eine dünne Satteldecke mit Schaumstoff "armieren". Dazu nimmt man Moosgummi, das man in Form von Joga- oder Isomatten kaufen kann. Das Material ist sehr gut schlagdämpfend und verteilt den Druck hervorragend. Allerdings ist dazu ein bisschen Bastelarbeit notwendig.

Das Gepäck sollte so befestigt werden, dass es schnell auf- und abgepackt werden kann, dass es möglichst wenig schlagen kann, auch nicht im Trab oder Galopp, dass es nicht verrutschen kann. Mein Packsystem habe ich im Laufe der Zeit so perfektioniert, dass ich problemlos mit 40kg Gepäck mehrere Wochen und hunderte km ohne Probleme reiten und auch traben/galoppieren kann.

Packtaschen hinten

Ich benutze hinten seit Jahren Ortliebtaschen (leider werden diese nicht mehr hergestellt). Ortliebtaschen wurden aus dicker PVC-Folie hergestellt und sind absolut wasserdicht und extrem haltbar. Sie sind ursprünglich vermutlich als Fahrradtaschen konzipiert, später an Pferde adaptiert worden (Bauchgurt und seitliche Halterungen um die Gurtstrupfen) und können deshalb nicht so einfach am Sattel befestigt werden da sie fest miteinander über ein etwa 10 mal 10cm großes, quadratisches PVC-Stück (gedacht für den Gepäckträger und für Sättel absolut sinnlos) verbunden sind. Dabei laufen die 2 Gurtbänder an das Mittelstück, welches über Kreuz mit Gurtbändern verstärkt ist. Die Taschen haben jetzt einen Bauchgurt, um das Schlagen zu verhindern und 2 Seitengurte die man um die Gurtstrippen zieht. Auch der Bauchgurt kann nach vorne an den Sattelgurt gespannt werden. Das ist bei sehr kurzen Pferden wichtig damit er nicht beim Laufen die Weichteile berührt. Der Packtaschen Bauchgurt muss immer relativ eng am Bauch anliegen denn sonst besteht die Gefahr, dass das Pferd beim Schlagen nach einer lästigen Fliege mit dem Hinterbein in den Bauchgurt gerät  und das wäre der absolute Super-GAU. Auch sollte man den Bauchgurt am Anfang des Rittes nach einer Weile nachspannen denn durch das Setzen des Gepäcks wird er meist länger. Alles an den Taschen ist bei mir mit Klickschnallen versehen. Seitliche Spannbänder können die Taschen komprimieren um ein Herumschlagen des Inhalts bei nicht ganz vollen Taschen zu verhindern. Viele Ringe ermöglichen das Stabilisieren des gesamten Gepäcks untereinander.

Dann, bei meinem neuen Sattel wollte ich das besser machen. Ich habe mir einen Lederstreifen aus Rinderseite geschnitten, der hinten am Sattel an den dort angebrachten Krampen einfach befestigt wird und immer dort bleiben kann. Schlitz in Krampenlänge geschnitten und eine Lasche mit einer Niete befestigt, die einfach durch die Krampe geschoben wird und den Lederstreifen perfekt festhält, das drei mal, links, mitte und rechts.

Auf dem Lederstreifen dann Gurtband befestigt und die Enden jeweils mit Plastikschnallen versehen und die Gegenstücke dann an den Packtaschengurten festgenäht. Das ermöglicht es mir jetzt die Taschen einzeln abzuklicken.

Dafür habe ich mir einen gepolsterten Stoffschutz genäht, der die Schnallenbänder außen verdeckt. Die Gurtbänder, die diesen Schutz halten sind zwischen Rückplatte und Packtasche durchgezogen und hinten mit Klickschnallen geschlossen. Das sieht nicht schön aus, dafür sind die Schnallenbänder und die Packtaschen darunter perfekt geschützt.

Tipp: gibt es dennoch einmal Löcher, mit einem PVC-Reparaturset kann ich kleine Löcher in den Taschen auch wasserdicht reparieren. Diese Sets gibt es von Ortlieb oder auch im normalen Handel.

Die neuen Ortlieb Fahrradtaschen

(z.B. Bike Packer classic) sind leider nur noch durch erheblichen Aufwand zu Pferdepacktaschen umzubauen. So müsstest du die neuen Quick-lock-Halterungen entfernen und gegen eine feste, gepolsterte Platte oder ähnliches auszutauschen. Das geht sicherlich ganz gut, da sie geschraubt sind, allerdings fehlt das Material (Platte, Tragegurte, Schnallen, Seitengurte zum Befestigen an den Sattelstrippen sowie Bauchgurt).

Ich würde die Plastikstreifen abschrauben und gegen Streifen aus dickem Leder austauschen, zwischen Leder und Tasche dabei die Tragegurte mit befestigen. Das ist machbar, jedoch nur mit einigem Aufwand an Materialbeschaffung und auch an Kosten. Die Taschen selbst sind im Handel für 115,- bis 150,- Euro/Paar erhältlich und werden in den Farben schwarz, schwarz/rot und schwarz/blau angeboten.

Die alten Ortliebtaschen gibt es noch zu kaufen:

Beim Touratech-Motorradshop allerdings für den stolzen Preis von 249,-€ (April 2019) und natürlich ohne Bauchgurt (Motorräder sind da vermutlich kitzelig).

Krämer hat einen Nachbau ohne feste Rückenplatte aber mit allen Gurten für 70 € (April 2019), allerdings aus einem "normalen" Gewebestoff, so dass sie vermutlich nicht mehr so strapazierfähig und wasserdicht wie die Originale sind. Bei dem Preis und mit allen Gurten ist das aber sicherlich eine gute Alternative.

Gepäckrolle hinten quer

Reite ich länger ohne Gepäcktransport dann benütze ich eine wasserdichte Rolle (Rack Pack), auch von Ortlieb, die quer hinter dem Sattel (auf der dick gepolsterten Verlängerung) liegt und mit zwei Gurtbändern an diesen herangezogen wird. Es gibt auch Lederrollen, die sehen cool aus, sind sehr stabil, aber weder wasserdicht noch leicht!

In diese Rolle kommen nur weiche Sachen, die nicht auf den Rücken schlagen können. Ist darin ein Schlafsack nutze ich diesen (ausgepackt) als Polster an unterster Stelle - das geht perfekt. Außerdem ziehe ich die Rolle durch 2 Packbänder (innerhalb der Tragegriffe) fest an den Sattel. Dadurch bildet sich ein Hohlraum über der Wirbelsäule und das Hauptgewicht wird auf den Sattelbaum und die Rippen verlagert. Das Gewicht der hinteren Gepäckrolle ist bei Westernsätteln, die hinten sehr breite Trachten haben, leichter auf den Sattel zu bringen. Sieht man jedoch bei den meisten Westernsätteln genau hin, dann liegt auch dort mehr als die Hälfte der jeweiligen Gepäckrolle auf dem Pad und damit auch direkt auf der Wirbelsäule und den Dornfortsätzen. Hier ist es besonders wichtig die Rolle sehr fest an die Krampen des Sattels zu ziehen sowie unbedingt ein weich gepolstertes Pad zu verwenden.

Vordertaschen

Als Vordertaschen habe ich  normalerweise 2 kleine Ledertaschen von Comanchero, die immer am Sattel sind. Darin Kleinteile wie Abdeckspray, Desinfektionsspray, Kopflampe, Plastiktüten, eine Tube Hirschhorntalg gegen evtl. Scheuerstellen, Snacks, usw.

Reite ich mit vollem Gepäck incl. Zelt, Weidezaunset, Kochset, dickem Schlafsack, Ersatz-Beschläge/Hufschuhe dann nehme ich vorne statt der kleinen Ledertaschen 2 Trailmax 500 backpacks. Das sind eigentlich Taschen für hinter den Sattel aber so klein, dass ich sie auch vorne nutzen kann. Sie sind etwa 21cm breit, 26cm lang und 13cm dick, wobei das Hauptfach 10cm dick ist. Sie sind nicht wasserdicht aber regengeschützt. Ledertaschen sind auch nicht wasserdicht!


Originaltaschen Trailmax 500

Die Trailmax 500 backpacks habe ich jetzt so umgebaut, dass ich sie mit 2 Handgriffen anbringen und abnehmen kann. Dazu habe ich sie umgedreht, also das was normalerweise hinter dem Sattel vorne ist (die aufgenähten kleinen Seitentäschchen), ist jetzt hinten, das breite Verbindungsstück zwischen den Taschen bis auf jeweils 10cm herausgeschnitten, die stehen gebliebenen 10cm dann spitz abgeschnitten (dort wo die Seitentaschen sind, ist der längere Teil), die Schnittkante mit einem Gurtband umnäht und beide Taschen dann mit einem Gurtband am hinteren spitzen Ende wieder miteinander verbunden. Ich lege jetzt einfach das Gurtband hinter das Kopfeisen vom Spirit, mache die Packtaschen unten mit zwei Schnallen an den Gurtstrippen fest 2 Handgriffe und fertig. Die Gegenstücke der Schnallen sind fest mit der Gurtstrippe verbunden damit ich sie nicht beim Aufmachen des Sattelgurtes verlieren kann (WICHTIG!). In die vorderen Taschen kommen dann die schweren Sachen, Weidezaungerät, Ersatzbeschläge, Kochset, Gaskartusche, Picknickdose und das Zeug das ich normalerweise in den Comancheros habe.




Umbau und heraus-
geschnittenes Zwischenstück


Verarbeitung der Kanten



einfache Befestigung - nur das Gurtband hinter
das Kopfeisen gelegt - alles andere, was man hier
sieht, ist direkt am Sattel befestigt

von hinten, die aufgesetzten Taschen
gehen bis über die Pauschen
stören aber in keiner Weise

von vorne, die vordere Satteldecken-
verlängerung schützt die Haut
vor Scheuern

Hinter dem Sattel habe ich, fest angebracht, eine einfache Banane mit 2 Flaschenhaltern. In der Banane ein paar leichte nützliche Dinge, wie Kabelbinder, Lederstrings, Notfallbatterien, Ein dünnes Seil von 1m Länge mit einem kleinen Karabiner am Ende (damit kann man wunderbar auch an dicken Bäumen festbinden) und die Regenschutzhülle für den Sattel. Als Wasserflaschen verwende ich nicht die mit der Banane gelieferten, denn die stinken meist nach Chemie, sondern 0,5l Mehrweg-Plastikflaschen. Einweg Plastikflaschen halten nicht lange und werden ganz schnell undicht. Die Mehrwegflaschen sind aus besserem Kunststoff, leicht und dennoch stabil. Dabei sind die eingezogenen Kordelbänder nicht zum Zusammenziehen der Flaschenhalter (das hält nicht) sondern werden um die Flaschenhälse gelegt und die Kordelstopper zugezogen. Man kann natürlich die Trinkflaschen auch nach vorne verlegen, das ist vom Gewicht her sicher besser, allein mir fehlt der Platz vorne.

Vorderzeug

Vorderzeug, bestehend aus zwei am Sattel befestigten Schulterriemen die in Höhe des Brustbeinendes zusammengeführt werden und, in der Regel, mit einem Brustgurt am Sattelgurt befestigt sind,  ist am Berg dringend erforderlich wenn das Pferd keinen ausgeprägten Bauch hat, hilfreich aber auch mit Bauch denn es hilft beim steil bergaufgehen den Druck auf das Brustbein zu verlagern und der Sattelgurt kann etwas lockerer geschnallt werden.

Das funktioniert aber nur wenn das Vorderzeug eng genug ist. Es sollte maximal 3-5 cm Spiel nach vorne haben (manche sagen eine Faust sollte dazwischen passen)  denn um genau diese Spiel würde der Sattel nach hinten rutschen wenn er denn rutscht. Ich sehe fast nur Pferde mit Westernsättel und 10-15cm Spiel im Vorderzeug nach vorne  - das ist meiner Meinung nach zu viel und deshalb sinnlos. Für einen korrekten Sitz des Sattels beim Bergaufgehen taugt das nichts. Die Schulterriemen dürfen die Bewegung der Ellbogen nicht behindern, der Brustgurt muss so eng sein, dass der Sattel nicht rutschen kann. Alte Vorderzeuge haben keinen Brustgurt sondern nur die Schulterriemen. Ich finde das jedoch nicht optimal da das Pferd beim Bergaufgehen und mit gesenktem Kopf dann das Gewicht des Sattels vorne mit dem Hals oberhalb des Brustbeines tragen müsste, das kann die Blutversorgung beeinträchtigen da die Schultergurte dann in die Weichteile oberhalb des Brustbeines eindrücken - das kann nur unangenehm sein! Durch den, über das Brustbein laufenden Brustgurt jedoch, wird das Sattelgewicht auf diesen festen und unbeweglichen Knochen verlagert. Die Stelle des Vorderzeugs, die das ganze Gewicht des rutschenden Sattels (mit Mensch) trägt, kann so nicht vom Brustbein nach oben rutschen. Das ist ähnlich wie ein schwerer Rucksack beim Menschen, der ja auch einen festen Brustgurt nutzt um das Rucksackgewicht von den Schultern teilweise auf das Brustbein zu verlagern um so ein angenehmeres Laufen mit Gewicht zu ermöglichen!

Das Vorderzeug muss eng sein und der Punkt an dem Schulter- und Brustgurte zusammenlaufen muss am Ende des Brustbeins liegen, er darf nicht zu hoch sein da er dann auf die Speise-, Luftröhre und die dort verlaufenden Adern und Venen drückt. Hat das Pferd den Kopf im Gras sollte es sich gerade, nur eben so an diesem Punkt (Ende des Brustbeines), spannen.

Weiter ist darauf zu achten, dass die Gurte zur Haut hin gepolstert sind, und dass sie beim Laufen nicht scheuern können. Da das Scheuerproblem vom Körperbau und den Befestigungspunkten am Sattel abhängt kann man da kein allgemeingültiges Rezept festlegen. 

Bei meinem z.B. musste ich die Befestigung der seitlichen Riemen vom Sattel weg und 10cm Richtung Kopf verlegen. Nur dann scheuert der Ellbogen beim Laufen nicht unter dem Riemen durch sondern diese liegen exakt an einer Stelle auf der Haut und können sich mit der Haut leicht vor- und zurück bewegen. Dazu gibt es spezielle 5-Punkte-Vorderzeuge zu kaufen.

Nächstes Problem: Dadurch, dass es jetzt einen Querriemen über dem Mähnenkamm gab, der sich bei jedem Schritt hin- und her bewegte scheuerten sich dort die Mähnenhaare ab. Also habe ich eine Lasche an die Satteldecke angenäht, die umgeschlagen und mit Klett befestigt wird und dafür sorgt dass der Riemen jetzt in einer Stofflasche läuft und nicht auf den Haaren. Ich habe mir ein Biothane Vorderzeug (9mm Breite) gekauft weil das Material sehr haltbar und dünn ist. Da es absolut hässlich und viel zu scharf ist, habe ich dann ein  Show-Vorderzeug, was zur tatsächlichen Nutzung nichts taugt, zerschnitten und die verzierten Seitenstücke auf das Biothane genietet. Das ganze noch von hinten mit Schaffell-Trensenschonern zum Kletten (um das dünne Biothaneband ) versehen - auch das passt und behindert, so platziert, die Bewegung des Ellbogens nicht.

Punkt 4: Das Packsystem

Ich habe bei manchen Ritten ohne Gepäcktransport als Gepäck, neben der normalen Ausrüstung wie Erste Hilfe Set, Faltschüssel, warme Fliesjacke, Regenmantel, etc., noch einen kompletten Wanderreitzaun incl. Stromgerät (ca. 3kg), einen Hüttenschlafsack aus Baumwolle 300g, Regenchaps, Kleider für 10 Tage, eine ganz dünne Pferderegendecke und 2 Ersatzduplos mit. Das waren je 7 kg in den Ortlieb-Packtaschen (fast alles fürs Pony incl. dem Weidezaungerät), mein Ortlieb-Kleidersack (5,5 kg) mit allem Zeug für die Übernachtungen (Waschzeug/Elektronikzeug incl. Batterien fürs GPS / Kleider), quer hinter dem Sattel und auf der 3cm dick mit Codelfleece gepolsterten Satteldeckenverlängerung, mit Spanngurten fest an den Sattelbaum gezogen (aber dennoch direkt auf dem Pferderücken), in zwei Stoffrollen, die ich mir genäht habe, den Regenmantel (350g) längs auf der einen Packtasche und Weidezaunstangen und Kleinteile nebst Regendecke (ca. 500g) auf der anderen Packtasche. Der Vorteil der Rollen längs auf den Packtaschen ist, dass diese den querliegenden Ortlieb-Packsack hinter dem Sattel von unten anheben und somit auch helfen, den Rücken zu entlasten. Die Packtaschen sind nur am Sattel befestigt und das Gewicht liegt somit auf den Rippen - wie es sein soll.

Gesamtgewicht des Gepäcks hinten ca. 25kg plus Sattel 10-14 kg (je nachdem wie nass die Schurwoll-Sattelauflage ist) plus Vordertaschen 4kg, also maximal 39-43kg - etwa 10% des Pferdegewichtes - alles ohne Problem machbar, auch für noch längere Zeit.

Die Gewichtsverteilung

Ich habe mal in einer Wanderreitbroschüre gelesen: "Eine exakte Gewichtsverteilung in den Packtaschen bis auf 50g ist absolut notwendig um ein Verrutschen des Sattels zu verhindern." Da konnte ich dann nur lachen denn wie bitte soll ich das unterwegs machen? Nehme ich aus der linken Packtasche eine Halbliter Wasserflasche dann habe ich schon einen Unterschied von mehr als 500g. Muss ich dann umpacken?

Alle hinteren Gepäckstücke sind bei mir miteinander verbunden und am Sattel befestigt. Dazu benötige ich nur 4 Spanngurte. 2 verbinden den Packsack mit dem Sattel, 2 verbinden den Packsack mit den seitlichen Rollen und den Packtaschen die wiederum am Sattel hängen. Vor den Packtaschen sind die seitlichen Stoffrollen mit Lederstrings befestigt. Dies ist danach eine Einheit und verrutscht nicht. Je schmaler das Pony und je besser der Sattel passt umso weniger verrutscht die Geschichte und auch eine ganz exakte Gewichtsverteilung ist dann nicht mehr notwendig. Bei runden Pferden ist das sicher anders.

Bei sehr viel Gepäck sollte man die schweren Sachen nach vorne verlegen und hinten nur leichteres unterbringen da dort auch schon das Körpergewicht auf den Rücken drückt.

Punkt 5: Die Zäumung

Tja, da scheiden sich die Geister. Normale Trense (Wassertrense oder Kandare), Sidepull, Bosal, bitless bridle, Glücksrad, LG-Zaum, RG-Zaum, Glücksstern, Star bridle, Hackamore, Knotenhalfter, Bändele...

mit Gebiss oder gebisslos?

Das erste was ich bei meinem, in englischer Dressur ausgebildeten Pferd gemacht habe, als ich ins Gelände ging, war, die Wassertrense aus dem Maul, Hackamore hin. Intention war, dass mein kleiner Tollpatsch mit Gras im Maul nicht mehr vernünftig laufen konnte. Er hat sich so auf's Kauen konzentriert und darauf, das Gras um's Gebissstück der Wassertrense herum zu bekommen, dass er permanent gestolpert ist. Aus Trailritten, die ich damals schon mit verschiedenen Veranstaltern gegangen war, wusste ich, dass ein Hackamore ein vollwertiger Ersatz für ein Gebiss ist.  So ist fressen unterwegs angenehmer und überhaupt - die Schädlichkeit von Gebissen ist durch Untersuchungen (z.B. hier)  hinreichend nachgewiesen! Und sie sind im Gelände völlig überflüssig da ich eh am langen Zügel reite. Geht das Pony durch, dann nützt mir das Gebiss auch nix, denn Panik kann ich nicht mit Schmerz bezwingen sondern dieser Schmerz vergrößert die Panik eher.

Der folgende kurze Film (https://www.youtube.com/embed/x7XkOfVaBcI) mit eindrucksvoller Animation basiert auf dem Buch "metal in the mouth" von Dr. Robert Cook, Veterinär, Forscher und "Erfinder" des original "bitless bridle".  Robert Cook, FRCVS., PhD., graduierte am Royal Veterinary College, London und ist Professor "of Surgery Emeritus" der Tufts University, Massachusetts. Seine Forschung fokussierte er auf Pferdekrankheiten im Mund-, Nase-, Ohr und Schlundbereich mit speziellem Augenmerk auf Atmungserkrankungen, Auftretende Blutungen bei Rennpferden und der schädlichen Wirkung von Gebissen als Kommunikationsmittel mit dem Pferd.

Das Argument, man könne ein Pferd nur mit Gebiss kontrollieren ist hinlänglich widerlegt. Selbst hohe Dressur ist gebisslos möglich. Die beiden folgenden Videos von 1988 und 2011 sollten das hinreichend belegen!

 
Wembley - 1988
 
Uta Gräf - 2011

Die Trense

Ich habe seit Jahren eine Wanderreittrense (Solibel) und bin damit ausgezeichnet ausgestattet. Eine Wanderreittrense hat zwei zusätzliche Ringe seitlich, in die ich ein Gebiss oder Hackamore einhängen und (für Pausen) aushängen kann. Außerdem ist sie am Nasenriemen weich gepolstert und hat einen Anbindering. Allerdings musste ich die seitlichen Riemen verstärken, da das Leder öfter an den Löchern ausgerissen ist wenn durch Panik (z.B. Verhaken an einer Öse am Anbindebalken oder Reissen am Anbindering) Zug darauf kam und das ist nicht die richtige Sollbruchstelle, denn danach ist die Trense unbrauchbar. Ansonsten braucht man kein extra Halfter für das Anbinden. Benutzt man eine normale Trense ohne Anbindering dann sollte man ein dünnes Stallhalfter unter die normale Trense, nicht darüber, ziehen. So ist bei einer Pause das Pferd angebunden und man kann ihm danach einfach die Trense abnehmen. Diese sollte dann nur locker darüber geschnallt sein.

Irgendwann im Laufe der Zeit ist Pony mal abgehauen, weil nicht angebunden und der Kumpel sich losgerissen hatte und beide sind nach Hause galoppiert. Unterwegs hat er dann das abgenommene und schlecht am Sattel befestigte, Hackamore verloren. Daraufhin bin ich dann erst mal ganz ohne geritten - kein Unterschied im Verhalten, auch weil ich die einengende Wirkung des Hackamores nie benutzt, es so locker geschnallt hatte, dass nur der leichte Zug auf den Nasenrücken beim Pony angekommen ist! Aber dann brauchte ich auch kein so martialisch aussehendes Metallmonster mehr am Kopf?! Seitdem hänge ich die Zügel einfach in die Trense - habe mit dazu ein Nasenpolster gemacht damit es durch den schmalen Nasenriemen nicht zu scharf wird sollte ich mal ziehen müssen weil meine Rennsemmel mal wieder meint mit seinem Kopf durch die Schallmauer brechen zu müssen.

Ein mechanisches Hackamore sieht martialisch aus und wird von vielen "Pferde-Spezialisten" mit einer Kandare gleichgesetzt und als absolut scharfen Zaum gesehen und ist in diesen Kreisen nahezu verpönt.

Das ist Unsinn. Ein mechanisches Hackamore hat ein breites und meist weich gepolstertes Nasenstück, welches an einer seitlichen Metallscheibe oder Kreuz befestigt ist. Hinten verläuft eine Kette oder ein Gurt unter dem Maul durch. Diese Scheibe hat mehr oder weniger lange Anzüge (die in der Abb. oben sind sehr lang) an denen die Zügel befestigt sind. Nimmt man die Zügel an, dann dreht sich die Scheibe und engt das Maul zwichen Nasenpolster und Kinnkette/Kinnriemen ein. Hier könnte man tatsächlich erhebliche Kraft auf das Maul ausüben und es sollte mit Bedacht und Vorsicht benutzt werden denn die Nerven unter dem Kinn sind sehr empfindlich. Die Einstellung des Kinnriemens, den ich persönlich mit einem Wollpolster versehen hatte, ist veränderlich von ganz eng bis ganz weit. Ist er ganz weit geschnallt dann gibt es praktisch keine Hebelwirkung mehr und nur noch der leichte Druck auf den Nasenrücken über das gepolsterte Nasenstück signalisiert dem Pferd was man von ihm möchte. Geritten wird ein Hackamore (und alle anderen gebisslosen Zäumungen auch) einhändig und ohne Zug auf die Zügel zu bringen. Lenken mit den Zügeln wie mit Wassertrensen üblich sollte unterbleiben. Gelenkt wird nur durch Gewichtshilfen - Stichwort "neck-raining". Auf Deutsch bedeutet das nichts anderes, als dass das Pferd "über den Hals gelenkt" wird. Das heißt, dass das Pferd der Berührung des äußeren Zügels weicht und von diesem weg nach Innen geht bzw. "zwischen" den Zügeln läuft. Konkret: wenn der linke Zügel am Pferdehals anliegt, geht das Pferd nach rechts weg. Liegt der rechte Zügel am Pferdehals an, weicht das Pferd nach links. Verstärkt wird diese Hilfe durch den Schenkeldruck in die gleiche Richtung und gegebenenfalls durch das leichte Annehmen des inneren Zügels. das Annehmen geschieht dabei, da ja einhändig geritten wird, durch das gegeneinander Verschieben oder Verkanten der Zügel in der Führungshand - also durch minimale Krafteinwirkung auf die Anzüge. Dadurch, dass diese so lang sind, reicht diese minimale Bewegung als Impuls aus. Das können, selbst englisch ausgebildeten Pferde, ohne Probleme von Anfang an da sie gewohnt sind auf den Schenkeldruck zu reagieren und die geänderte Kraftübertragung auf das Maul verinnerlichen sie ganz schnell.

In der Tatsache, dass ein Hackamore nur bei der Benutzung Wirkung zeigt, liegt der erhebliche Unterschied zur Wassertrense oder gar zur Kandare. Diese sind immer im Maul und können nicht "zarter" eingestellt werden. Das Hackamore ist ein gebissloser Zaum mit dem das Pferd einen ganzen Tag laufen kann, ohne es groß zu spüren, es hat keinen Fremdkörper im Maul und spürt keinerlei Beeinträchtigung, reitet man am langen Zügel. Die Geschmacksnerven werden nicht unsinnig und ständig gereizt, Fressen ist kein Problem, übermässige Speichelproduktion unterbleibt, somit ist es viel natürlicher als ein Metallgebiss im Maul. Selbst Pferde die kein Gebiss mögen (kopfscheue Pferde), sind dies wahrscheinlich deshalb weil man ihnen in der Ausbildung u.a. mit einem Gebiss zu viel Schmerz zugefügt hat, vertragen ein Hackamore!  Es gibt mechanische Hackamore, wie die obige Abbildung, sowie nicht mechanische (Bosal, Glücksrad, altkalifornisches) Hackamore u.a. Variationen.

Beim Anlegen sollte man darauf achten, dass es nicht zu tief auf dem Nasenrücken sitzt. Das habe ich am Anfang auch falsch gemacht. Der Nasenrücken läuft beim Pferd nach unten trapezförmig aus und die unteren 5-7cm sind wie eine Zunge ausgebildet und ohne "Seitenstütze". Diese Spitze kann bei zu viel Druck brechen. Man kann sie ertasten und das Nasenstück des Hackamore darüber platzieren. Andererseits führt es auch nicht zu Problemen so lange es locker eingestellt wird. Alle gebisslosen Zäume sind in meinen Augen aus vielen Gründen für das Wanderreiten besser geeignet als Gebisse!

Viele Wanderreiter reiten aus Prinzip mit Knotenhalfter. Kann man machen, muss man aber nicht. Spätestens wenn es dazu führt, dass zusätzlich zum Knotenhalfter noch ein Hackamore draufgesetzt wird, da Pferd sonst nicht zurück zu halten ist, muss ich mich fragen was das soll. Ich komme mit meiner Wanderreittrense super klar und brauche sonst nichts. Reiten, Führen, Anbinden - alles kein Problem.

Grundsätzlich muss gesagt werden, dass Knotenhalfter, Bändele, Sidepull, Bosal und was es so alles gibt, Arbeitszäume sind, die haben ihre Berechtigung in der Ausbildung, können aber im Gelände gefährlich werden und sollten nicht benutzt werden (meine Meinung). Pferde sind Fluchttiere und der Panikreflex kann immer und bei jedem, auch dem noch so coolen Pferd, zuschlagen. Und außerdem sind diese als Arbeitszäume tatsächlich viel schärfer (einschneidender) als eine weich gepolsterte Trense und können dem Pferd, benutzt man sie zum Halten, richtig wehtun. Vor Allem das Anbinden ist mit diesen scharfen Arbeitszäumen sehr bedenklich denn, verhakt sich das irgendwo und Pferd gerät in Panik, dann reißt da nichts und schwere Verletzungen durch die dünne Knotenlitze können die Folge sein. Sollbruchstellen sind ja, wenn überhaupt, nur zwischen Knotenhalfter und Anbindestrick. In diesem Fall sollte das Pferd unbedingt mit einem Halsring oder einem zweiten Halfter angebunden und das dünne Knotenhalfter abgenommen werden - was natürlich sehr viel Aufwand ist.

Benützt man einen Halsring dann darf er sich niemals zuziehen können sondern muss entsprechend gesichert sein, entweder durch eine Schnalle oder einen entsprechenden Knoten. Mein Pony hat sich fast einmal erwürgt als er sein Halfter zerrissen hatte und ich ihm behelfsmäßig eine Schlinge um den Hals gelegt und damit angebunden hatte. Beim Grasen hat diese sich zugezogen und immer enger eingeschnürt, dann kam Panik auf und er hat sich komplett die Luft abgeschnürt. Ich stand daneben und konnte den Panikhaken nicht mehr öffnen da er völlig im Hals verborgen war, Messer hatte ich damals noch keines dabei und nur mit gemeinsamer Kraft haben Pony und ich den Metallhaken zerbrechen können. Das war knapp und mir eine Lehre gewesen. Danach habe ich mir einen Halsring besorgt, ihn aber eher weniger benutzt denn er war zu hässlich um damit zu reiten und zu schwer/sperrig im Gepäck.

Man sollte mit der Zäumung in der Lage sein, ein Minimum an gymnastischen Übungen anzuwenden, auch wenn man nicht der perfekte Reiter ist. Dabei können seitlich am Zaum angebrachte Zügel sehr helfen, sind aber nicht unbedingt notwendig. Es ist sehr gut möglich eine Biegung ohne Zügel oder am langen Zügel zu erreiten nur gibt es Situationen in denen Pferd etwas bockig ist und sich partout widersetzen will und dann kann ich, ohne Gewalt, mit etwas mehr Impulsen darauf hinweisen was ich von ihm möchte. Dies z.B. beim Öffnen/Schließen eines Tores vom Sattel aus oder beim Schlängeln um Bäume herum ohne mit den Knien bzw. den Packtaschen anzustoßen. Heute brauche ich das fast nicht mehr denn wir haben uns in dieser Hinsicht ausreichend verständigt aber meiner kann dennoch manchmal etwas stur und "nachtragend" sein - eben ganz wie sein Reiter !

Eine Zeit lang bin ich mit einem Sidepull geritten. Diese haben einen festen, runden und harten Ring über dem Nasenrücken und seitliche Zügelbefestigungen. Mein Pony hat den "Nasenring" nicht gemocht, einfach weil er zu scharf und ihm unangenehm war, hat immer versucht das Sidepull abzuschütteln, allein der Druck den die durchhängenden Lederzügel verursacht haben war schon zu viel - was soll das dann bei einem 10 Stundentag?

Was in meinen Augen ganz übel ist: Wenn Reiter mit Wassertrense und Sperriemen ins Gelände gehen. Dies ist, nicht nur im Gelände, komplett sinnlos - das arme Pferd läuft durch ein Schlaraffenland, das Wasser läuft ihm im Mund zusammen und es kann noch nicht einmal abschlucken - das nenne ich Tierquälerei!

Michael Geitner, Pferdetrainer und Autor, hat 2014 einen sehr ausführlichen Artikel dazu geschrieben den ich hier nur in Teilen wiedergeben möchte. Zusammengefasst kommt er zu dem Schluss, dass ein Sperrhalfter die missverstandene Anwendung einer eigentlich guten Idee ist:

"Die Schlaufe, die vorne am Nasenband angebracht ist, wurde komplett anderes verwandt als heute. Es wurde der Riemen jeweils links und rechts durch das Gebiss, und zwar von innen nach außen, verschnallt. So konnte der Zug auf das Gebiss beschränkt werden und der Druck auf den Nasenrücken weiter gegeben werden." Diese Aussage ist zwar scheinbar nicht unumstritten aber weiterhin schreibt er über die schädliche Auswirkung des Sperrriemens u.a. folgendes:

"Was der Sperrriemen aber sehr deutlich einschränkt und zum Teil auch stark behindert, ist das Abschlucken des Speichels. Wenn nämlich sein Maul zugeschnürt wird, kann das Pferd nicht mehr durch das leichte Öffnen des Mauls den Druck des Trensengebisses auf den Gaumen abmildern. An der Stelle, an der das Trensengebiss gegen den Gaumen drückt, sitzen aber Nervenrezeptoren, die den Schluckreflex unterbinden und den Deckel des Kehlkopfes blockieren. Dadurch entsteht das Einspeicheln des Pferdes, was also in erster Linie ein Zeichen dafür ist, dass das Pferd seinen Speichel nicht abschluckt, aber noch lange kein Hinweis darauf, dass das Pferd korrekt "durch das Genick" geht.

Den gesamten Artikel kannst du auf seiner Facebookseite (da ist er allerdings in der Chronik versteckt) oder gezielt hier nachlesen: https://www.facebook.com/notes/wanderreiterweb/einsatz-eines-sperrriemens/2238819012849666. Ich kann mir dazu nicht wirklich eine eigene Meinung erlauben, find den Artikel jedoch schlüssig und sehe darin nichts was meiner Erfahrung widerspricht - im Gegenteil. Ich bin etwa 4 Jahre englische Dressur und auch mit Sperrriemen geritten und habe mich immer gefragt was das soll. Viele Dinge werden, ohne Nachzudenken, einfach gemacht, weil es immer schon so gemacht wurde!

Punkt 6: Packliste

Was nehme ich mit. Das kommt natürlich darauf an, was ich mache. Gehen wir einmal von einem 14-tägigen Wanderritt, mit Übernachtungen in Herbergen und/oder im Zelt und natürlich ohne Gepäcktransport aus.

Nützliche Utensilien sind etwa:

bei Campingritten zusätzlich 

wird ergänzt wenn mir noch etwas einfällt 

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